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Respekt

„From hero to zero“ – oder in Schriftdeutsch: „Vom Held zum Deppen“ ist eine schmale Gratwanderung. Dies musste Haris Seferovic als Stürmer unserer Schweizer Nationalmannschaft schmerzlich erfahren.

Als der Trainer ihn kurz vor Ende des Barrage-Spiels gegen Nordirland ausgewechselt hat, wurde er ausgepfiffen. Klar, in diesem Spiel ist er, wie viele andere, etwas oft ausgerutscht und hat kein Tor geschossen. Dafür war er aber in den früheren Spielen gleich an sieben Treffern entscheidend beteiligt und hat so zusammen mit dem ganzen Team zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft beigetragen.

Die Analyse

In den Tagen nach dem Spiel haben die gellenden Pfiffe in vielen Medien grosses Gehör gefunden. Sinnigerweise der Sport-Chefredaktor des Boulevardblatts Blick hat die Pfiffe als „Ausdruck eines allgemeinen gesellschaftlichen Sittenzerfalls“ verortet und festgestellt, dass „wenn es nicht so läuft, wie der Wutbürger es sich vorstellt, dann lässt man dem Unmut freien Lauf. In sozialen Medien. Oder im Stadion“.

Den Nagel auf den Kopf getroffen hat dann Andreas Böni als Fussball-Chef des gleichen Blatts. Er hat in einem Kommentar geschrieben, er habe sich geschämt, weil das mit den Pfiffen, das gehe gar nicht. Diese Nationalmannschaft habe Respekt verdient.

Der Steilpass zum Respekt

Danke, das mit dem Respekt ist ein Steilpass, ich nehme ihn gern an und spiele ihn weiter. Wer nach der Wortwurzel von „Respekt“ sucht, findet sie im lateinischen Verb „respicere“: Das bedeutet je nachdem „zurückschauen“, „berücksichtigen“ oder „Rücksicht nehmen“.

Respekt ist eine Haltung, die über etwas Schützenswertes nachdenkt. Aus dieser Haltung wachsen dann Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Würde. Respektlosigkeit verletzt die Würde, demütigt und kann Anfang sein von Misshandlung und Gewalt.

Da ist es dann einerlei, ob Pfiffe einem Fussballer gelten, oder einer Frau auf der Strasse.

Respektlosigkeit als Foul an der Gesellschaft

Gerade von Respektlosigkeit ist in zunehmendem Mass betroffen, wer sich irgendwie in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit aussetzt. Das betrifft nicht nur Fussballer, sondern auch Vereinsvorstände, Gemeinderäte und Politikerinnen, ja sogar Freiwillige, die sich für Benachteiligte engagieren. Deshalb verwundert es nicht wirklich, dass immer weniger Leute Lust haben, Verantwortung in einem grösseren Umfeld zu übernehmen. Niemand will für seinen Einsatz auch noch angepöbelt werden.

Respekt ist ein wertvolles Gut: Es bestimmt das gesellschaftliche Miteinander, den Umgang in Familie, im Freundeskreis, in Schule und Beruf.

Anerkennung, Wertschätzung und Achtung

Das alles ist nicht etwa neu. Schon Paulus hat im ersten Brief, den er an die Gemeinde in Thessalonich geschrieben hat, die Anweisung gegeben, diejenigen zu anerkennen, die sich für andere einsetzen. Sie sollen geachtet und wertgeschätzt werden für ihren Einsatz. Diejenigen, welche gegen die Ordnung verstossen, sollen zurechtgewiesen werden, die Ängstlichen ermutigt und die Schwachen gestützt werden. Man solle Geduld haben mit allen und dafür sorgen, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem heimzahle. (nach 1 Thess 5,12-15). Geschrieben hat er das um das Jahr 50 – und es ist auch 2017 noch aktuell. Mehr denn je.

 

Diese Gedanken habe ich im Wort zum Sonntag vom 18.11.2017 unter dem Titel „Respekt“ erstmals veröffentlicht.

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