Priesterinnen? Ja. Selbstverständlich!

Bei der Weihe zu Diakoninnen darf es nicht bleiben. Für den früheren Abt von Einsiedeln Martin Werlen ist klar, dass Frauen auch nicht länger vom Priestertum ausgeschlossen bleiben dürfen. Das schreibt er in seinem neuen Buch.

«  Es gibt in der Kirche, die in Gemeinschaft mit der Kirche in Rom ist, Priesterinnen. Ja, es gibt sie! Selbstverständlich! Diese Behauptung erstaunte alle. Aber kann man glaubwürdig behaupten, dass alle Getauften teilhaben am Priestertum Christi und zugleich das Sprechen von Priesterinnen ausschliessen? Durch die Taufe sind nicht alle Priester, aber alle sind Priesterinnen oder Priester. Diese Teilhabe am Priestertum Christi ist grundlegender und wichtiger als das Amtspriestertum.

Buchvernissage im Brockenhaus Altstetten: Fernsehmann Florian Inhauser im Gespräch mit Martin Werlen

Warum wir heute weit hinter dem Apostel Paulus zurück sind

Die Sprache und die Kultur sind geprägt von der patriarchalen Vorherrschaft über Jahrhunderte. Das sind keine Nebensächlichkeiten, wie das von der Seite jener, die alles beim Alten lassen wollen, immer wieder behauptet wird. Sprache und Kultur sind Traditionen, die den Alltag prägen – auch das theologische Denken. Selbst in sprachlichen Formulierungen sind wir heute noch weit hinter dem Apostel Paulus zurück. Er schreibt «an alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen» (Röm 1,7), während wir in der Liturgie immer noch aus dem Brief des heiligen Paulus an die Römer vorlesen.

Derselbe Apostel schreibt nicht einfach an die Korinther, sondern «an die Kirche Gottes, die in Korinth ist» (1 Kor 1,2). Ein Brief ist «an die Gemeinden in Galatien» (Gal 1,2) gerichtet, einer «an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind» (Phil 1,1), wieder ein anderer «an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus» (Eph 1,1).

Warum der Patriarchalismus das Problem ist – nicht die Tradition

Die ganze Gemeinde ist angesprochen, nicht nur die Männer. Wenn jemand meint, auf diese Formulierungen komme es nun aber doch nicht an, möge doch einfach einmal eine Woche lang alle maskulinen Formulierungen mit femininen ersetzen. Wahrscheinlich wird ihm auch aufgehen, dass es doch drauf ankommt und er nicht einfach selbstverständlich mitgemeint ist. Aufgrund der Taufe gibt es «nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich» (Gal 3,28).

Wer das amtliche Priestertum den Frauen vorenthält mit der Begründung, dass der Priester den Mann Jesus vertritt, der hat offensichtlich Glaubensprobleme, die in der Taufe wurzeln.

Es können eben nicht alle Getauften am Priestertum Christi teilhaben, wenn das ja nur Männern zusteht. Doch wer so etwas behauptet, vertritt eine andere Lehre als die der Kirche. Frauen empfangen dieselbe Taufe wie Männer.

Ich bin je länger je mehr überzeugt, dass der Ausschluss der Frau vom Weihepriestertum eine der Traditionen ist, die geändert werden können und müssen.

Diese Haltung nehme ich nicht etwa ein, weil die Gesellschaft das heute einfordert, sondern weil mir das auf dem Weg meiner Gottsuche immer deutlicher aufgeht. Dazu bewegen mich immer wieder auch Leute, die gegen die Weihe von Frauen wettern. Ich werde dort meistens mit Traditionen konfrontiert, die nicht im Evangelium gründen, sondern in dem ihnen noch selbstverständlichen Patriarchalismus. »

 

Der Text ist dem neuen Buch Martin Werlens entnommen (Seite 94/95, Zwischentitel durch die Redaktion). Bereits nach zwei Wochen führt  Werlens „Zu spät. Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle“ die Bestsellerliste an.  Martin Werlen widmet das Buch  allen Menschen, die die Kirche nicht in Ruhe lassen.

Zum Thema hat sich am 21.02.2018 auch der Seelsorgerat des Kantons Zürich als pastorales  Beratungsremium des Generalvikars im Positionspapier „Die Kirche braucht Diakoninnen!“ geäussert.

 

Martin Werlen

Zu spät.
Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle.
Herder 2018
ISBN: 978-3-451-37519-4

 

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