Priorin Irene: Pilgern mit Entschiedenheit

„Pilgern ist keine Wellness!“

Das antwortete ich spontan einem Kollegen, als er auf WhatsApp von den Strapazen und dem miesen Wetter berichtete. Nun erfahre ich es hautnah am eigenen Leib: Pilgern ist harte Arbeit.

Priorin Irene

Seit sechs Tagen bin ich mit den Rompilgerinnen und -pilgern von „Eine Kirche mit* den Frauen“ auf dem Weg. Schon beim ersten Aufstieg auf den Monte Subasio bilden sich an meinen Füssen Blasen. Sie begleiten mich seither Schritt für Schritt (siehe das blaue Plaster auf dem Foto). Inzwischen ist uns auch jedes Wetter vertraut: Nieselregen, Nebel, Gewitter, brütende Hitze oder sanfter Wind.

Hier in dieser malerischen Landschaft mit den blühenden Wiesen, den duftenden Kräutern und den leuchtenden Ginstersträuchen liess sich Franziskus für seinen Sonnengesang inspirieren.

Weisheit des Eremiten

Kirche mit den Frauen

Br. Domian Keller, Esther Rüthemann, Priorin Irene, Franz Mail, und Hildegard Aepli (Mit-Initiantin)

An meinem vierten Pilgertag erreichen wir nach einer 10-stündigen Wanderung mit 900 Metern Aufstieg und 600 Metern Abstieg die Einsiedelei „Romita di Cesi“. In seiner kurzen Ansprache beim Abendgebet sagt uns Frater Bernardino:

„Eine Pilgerin, ein Pilger braucht zweimal drei Dinge: Ausdauer, Geduld und Entschiedenheit sowie einen klaren Kopf, ein warmes Herz und starke Füsse.“

Diese Weisheit eines erfahrenen Eremiten ist eine Antwort auf meine Frage, die immer wieder aufsteigt, wenn die Blasen brennen: „Warum tue ich mir das an?“

Sr. Irene mit Initiantin Hildegard Aepli

Priorin Irene mit Initiantin Hildegard Aepli

Hier oben in dieser Einsamkeit wird mir klar, so soll man nicht fragen, sondern: „Wofür pilgere ich?“ Ja, ich gehe für eine geschwisterliche, dialogische Kirche, für das Miteinander von Männern und Frauen auf allen Ebenen! Diese Entschiedenheit stärkt meine Füsse.

Nachdem ich während zwei Jahren in der Kerngruppe „Für eine Kirche* mit den Frauen“ Kopf- und Netzwerkarbeit geleistet habe, erfahre ich nun eine weitere Dimension des Mittragens des Projekts: das Mitgehen mit Leib und Seele.

 

Pilgerinnen und Pilger brauchen Geduld, Ausdauer und Entschiedenheit und vor allem starke Füsse. Dies wünsche ich allen, die für eine Kirche mit den Frauen einstehen!

Greccio, im Juni 2016

IMG_5784Priorin Irene Gassmann

www.kloster-fahr.ch 

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