Abt Martin Werlen mit Handy

Mit Twitter die Glut unter der Asche schüren

Der Rücktritt von Martin Werlen, ehemaliger Abt von Einsiedeln, hat viele Menschen bewegt, darunter auch zahlreiche, die sich nicht sonderlich stark mit der Kirche identifizieren oder sich einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen. Er bezeichnete sich selbst als Brandstifter, als einen, der versucht, die Glut unter der Asche freizulegen. Er glaubte, dass die Kirche auch heute noch den Menschen viel zu sagen und zu bieten hat, dass manchmal aber die Strukturen und Formen dem im Weg stehen.

Zuhören

Offen sein für die Menschen. Mit ihnen reden, in ihrer Sprache, mit ihren Mitteln. Dies hat er nicht zu gesagt sondern auch in die Tat umgesetzt. Zeugnis geben, von der Hoffnung, die ihn erfüllt. Und das nicht durch viel Gerede, sondern durch Zuhören. Ganz gemäss dem letzten Satz der Regeln des Hl. Benedikt: „Höre und du wirst ankommen.“ Dieser Satz war auf seinem Abt-Ring eingraviert.

Abtring Abt Martin Werlen

Abtring von Abt Martin Werlen
FOTO: Marie-Christine Schindler

Aktiv umgesetzt hat er dies unter anderem auf Twitter. Mit maximal 140 Zeichen pro Nachricht eignet sich das Soziale Netzwerk nicht zum Reden schwingen. Aber es ist ein tolles Medium zum Zuhören. Was beschäftigt die Menschen, die Einfachen und die Prominenten? Was sagen sie? Wie sagen sie es? Martin Werlen hat als @AbtMartin viel zugehört. Und er hat mit den Menschen geredet. Kurz, prägnant, in maximal 140 Zeichen, meist jedoch weniger. Dabei hat er sich kritischen Fragen gestellt, schwierige Themen nicht gescheut und zugleich die Frohe Botschaft verkündet. Das hat ihm den Respekt und die Sympathien von Vielen eingebracht. Mehr als 9‘200 Follower hat er auf Twitter. Mit ihnen hat er mehr als 5‘600 Kurzbotschaften geteilt und Gespräche geführt.

Vorbild

Zugleich war der twitternde Abt, wie er manchmal bezeichnet wurde, für viele kirchliche Mitarbeitende ein Vorbild. Auch für mich. Denn wie viele andere bin ich überzeugt, dass Kirche sich in der Welt engagieren soll, mit der Sprache, die die Menschen sprechen und auf den Wegen, auf denen die Menschen sprechen wollen. Und viele Menschen sprechen mittels Sozialer Medien miteinander. Und so verwundert es nicht, dass immer mehr kirchliche Mitarbeitende aller Berufsgruppen sich an der Kommunikation mittels Sozialer Netzwerke beteiligen. Auch einige Einrichtungen setzen vermehrt auf digitale Kommunikation. Dass ich hier einen Blog-Beitrag schreibe ist Ausdruck davon, dass die Katholische Kirche im Kanton Zürich vermehrt crossmedial kommuniziert. Das finde ich toll und ehrlich gesagt bin ich stolz, Teil dieses Prozesses zu sein. Wir sind noch am Lernen, hören viel zu und versuchen uns am Dialog zu beteiligen. Das machen wir nicht, weil uns das persönliche Gespräch nichts mehr bedeutet, sondern weil für viele Menschen das persönliche Gespräch in Form von Posts, Likes, Kommentaren und eben 140 Zeichen stattfindet. Die Erfahrungen, die Martin Werlen gemacht hat, ermutigen uns darin, dass dies gelingen kann.

Ausprobieren

Jede und Jeder, die oder der sich beteiligen möchte, ist herzlich willkommen. Probiert es aus. „Höre und du wirst ankommen.“ Was für den Glauben gilt, kann auch im Social Web nicht verkehrt sein. Ich freue mich auf die Begegnung mit euch und darauf, mit euch die Glut unter der Asche zu schüren: Offline und Online

 

David Wakefield ist im Social Web erreichbar auf Facebook und TwitterLesen Sie zum Abschlussgottesdienst von Abt Martin Werlen auch den Bericht von Arnold Landtwing im Einsiedler Anzeiger.

Das Bild von Abt Martin wurde von Philipp Küng am der #twallfahrt im August 2010 gemacht.

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