„Ihre Wahl ist kein Zufall, sondern Fügung Gottes“

Die „Fernseh-Nonne“ Ingrid Grave gratuliert der neugewählten Franziska Driessen-Reding zu ihrer Wahl als Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Liebe Frau Franziska Driessen-Reding

Ihre Wahl zur Präsidentin des Synodalrats hat mich sehr gefreut. Als erste Frau in diesem Amt! Darauf dürfen Sie stolz sein. Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen zu dieser Wahl und mit mir sicher noch viele Frauen aus der katholischen Kirche und darüber hinaus. Damit ist schon angedeutet, dass eine solche Wahl auch von ökumenischem Interesse ist. Doch in erster Linie wird der Schwerpunkt Ihres Engagements innerhalb der katholischen Kirche zum Tragen kommen. Darauf freue ich mich.

Sie sind voller Tatendrang, so habe ich Sie sagen hören. Das gefällt mir, und das braucht es auch, wenn man/frau ein neues Amt übernimmt. Das bringt frischen Wind in die Segel. In Ihrem Auftreten strahlen Sie ein gesundes Selbstbewusstsein aus. Das erachte ich als ganz wichtig für uns Frauen, denn wir haben ja durchaus in der Kirche etwas zu sagen und beizutragen.

Da gibt es einen grossen Nachholbedarf. Immer noch.

Ihre offene Haltung gegenüber Fremdem und Ungewohntem haben Sie in den vergangenen Jahren als Synodalrätin bereits bewiesen. Als Verantwortliche für den Bereich Migrantenseelsorge haben Sie sich stark gemacht für die Integration von Menschen aus verschiedensten Ländern, die hier in Zürich für sich eine Heimat und eine neue Existenz erhoffen. Damit haben Sie gezeigt, dass Sie keine Berührungsängste kennen und eine ausgeprägte soziale Ader haben. Es ging Ihnen dabei nicht nur darum, das Materielle abzudecken, sondern vor allem auch um Seelsorge für Menschen, die in ihrer Entwurzelung eine liebevolle Sorge für ihre Seelen brauchen. Für dieses Engagement möchte ich Ihnen ganz persönlich danken.

Franziska Driessen-Reding zum Muttertag bei der spanischen Mission

Ihre Wahl in dieses Amt als Synodalratspräsidentin ist für mich nicht einfach nur Glücksfall oder Zufall. Dahinter steht in meinen Augen die Fügung Gottes. Die katholische Kirche ist – bei allen Fortschritten in den letzten Jahrzehnten – immer noch eine männerdominierte Institution. Das immer wieder wahrnehmen zu müssen, ist oft bedrückend.

Ihre Wahl ist für viele Frauen  eine Ermutigung, in der Kirche zu bleiben, nicht aufzugeben, denn wir können – trotz allem – etwas bewegen, ganz im Sinne der Botschaft Jesu, der nie eine Frau abgewiesen hat.

Dazu wünsche ich Ihnen den reichsten Segen Gottes.

Ihre Schwester Ingrid Grave

Ingrid Grave, ein bekanntes Gesicht in der Zürcher Altstadt

Zur Person: Ingrid Grave gehört der Schwesterngemeinschaft der Dominikanerinnen von Ilanz an. Die Ordensfrau wirkt seit vielen Jahren seelsorgerisch in Zürich, seit Anfang April im Seelsorgeteam der Sihlcity-Kirche. Sechs  Jahre lang moderierte Ingrid Grave die sonntäglichen Sendung „Sternstunde Religion“,  während zwei Jahren sprach sie das „Wort zum Sonntag“ und ist seitdem schweizweit als „Fernseh-Nonne“ bekannt.

 

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