Bei den Menschen sein, statt Alpenpässe bewachen

„Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für die Schaffung eines Bistums Zürich, welche dagegen? Falls ein Bistum Zürich gegründet werden sollte, was würde aus Ihrer Sicht für oder gegen die zusätzliche Errichtung eines Bistums Urschweiz sprechen?“

Antworten auf diese Fragen sucht Bischof Vitus Huonder mit einer grossangelegten Umfrage. In den Medien schlug die Umfrage hohe Wellen. In allem Aktivismus wurde übersehen, dass Papst Franziskus die Antwort bereits vor drei Jahren gegeben hat. In seiner Ansprache an die neu ernannten Bischöfe im September 2013, rief er ihnen zu:

„Seid Hirten mit dem Geruch der Schafe, anwesend inmitten eures Volkes wie Jesus, der Gute Hirte. Eure Anwesenheit ist nicht zweitrangig, sie ist unerlässlich. Die Anwesenheit! Das Volk selbst bittet darum, denn es will sehen, dass der eigene Bischof mit ihm geht, ihm nahe ist.“

Und die Aufgabe hat er klar umrissen:

„Pastorale Präsenz bedeutet, mit dem Volk Gottes zu gehen: vor ihm gehen und den Weg weisen; mitten unter ihm gehen, um es in der Einheit zu stärken; hinter ihm gehen, sowohl damit niemand zurückbleibt, aber vor allem, um dem Spürsinn zu folgen, den das Volk Gottes hat, um neue Wege zu finden.“

Braucht es noch mehr Argumente für einen Bischof in Zürich? Nein!

  • Es braucht einen Bischof, der in Zürich präsent ist und die Realität der Gläubigen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Brennpunkt seiner Diözese kennt.
  • Die Agglomeration Zürich braucht die Stimme eines Bischofs in der Bischofskonferenz.
    • Denn hier im urbanen Raum leben die zahlreichen anderssprachigen Missionen aus der Migration.
    • Hier in der Reformationsstadt Zürich wird Ökumene geschwisterlich gelebt.
    • Hier sind wir auch im interreligiösen Kontakt unterwegs und suchen den Dialog.

Davon ist der Bischof in Chur heute weit entfernt.

Im Gespräch mit den Menschen, den Behörden und Instanzen lernt ein in Zürich präsenter Bischof verstehen, wie der Synodalrat funktioniert, was eine Synode bewegt, und er kann der Kirche in der Gesellschaft eine Stimme verschaffen.

Perönlichkeit ist entscheidend, nicht Strukturen

Wie sieht nun eine ideale Lösung für Zürich aus? Die Antwort ist einfach: die Persönlichkeit des Bischofs ist entscheidend, nicht die Strukturen. Für die Strukturen sind verschiedene Wege denkbar, vorausgesetzt, sie werden einvernehmlich und solidarisch mit anderen Regionen des heutigen Bistums gegangen.

So kann ich mir vorstellen, dass der Bischof in Zürich präsent und wohnhaft ist und gleichzeitig der alte Bischofssitz in Chur bestehen bleibt. Bozen-Brixen zeigt, wie das bestens funktionieren kann. Der Bischof hat bei den Menschen zu sein, nicht mehr wie zur Zeit Karls des Grossen die Alpenpässe zu bewachen.

2 Kommentare zu “Bei den Menschen sein, statt Alpenpässe bewachen

  1. Kerstin Keller schrieb am :

    Die Persönlichkeit ist entscheidend nicht die Struktur. Da hat Josef Annen sehr Recht. Gerade weil dem so ist, muss Einfluss auf die Wahl eines Bischofs gewonnen werden, bevor man über Strukturveränderungen nachdenkt. Das leuchtet doch jedem ein. Andernfalls würde eine Strukturveränderung das bestehende Problem mit falschen Persönlichkeiten nur verstärken.
    Deshalb überzeugt Annens Argumentation ganz und gar nicht im Gegenteil. Der Bischofssitz muss also noch ein unbestimmt langes Weilchen in Chur bleiben.
    Manches lässt sich ohnehin aus gewisser Distanz viel besser überschauen.

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