Sieben Fragen zu Frauen in der Kirche

Papst Franziskus ortet im „Klerikalismus“ ein zentrales Problem der aktuellen Kirchenkrise – der tiefsten Krise der römisch-katholischen Kirche seit der Reformation. Wer aber tatsächlich die klerikale Männerkirche überwinden will, darf Frauen nicht länger ausschliessen.

Der deutsche Theologe und Autor geistlicher Texte, Andreas Knapp, stellt dazu sieben Fragen, auf die Papst und Bischöfe trotz aller schönen Worte bis heute keine Antwort gefunden haben. Mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen wir hier seinen aufrüttelnden Text*.

frauenfragen

wenn eine frau das WORT geboren hat, warum sollten frauen dann das wort nicht von der Kanzel verkünden?

wenn eine frau für ihr zuhören gelobt wird, warum sollten frauen dann das gelernte nicht auch lehren?

wenn eine frau die füsse jesu küsste, warum sollten frauen dann den altar nicht küssen dürfen?

wenn eine frau den leib christi salben konnte, warum sollten frauen dann nicht zum salbungsdienst befähigt sein?

wenn eine frau jesu sinnungswandel durch ein brotwort bewirkte, warum sollten frauen dann bei der wandlung nicht das brotwort sprechen?

wenn eine frau von jesus krüge voller wein erbitten konnte, warum sollten frauen dann über einen kelch mit wein nicht auch den segen beten?

wenn eine frau den jüngern als apostelin voranging, warum sollten frauen dann zur apostelnachfolge nicht aufgerufen sein?

 

* Wir danken unserer regelmässigen Newsletter-Leserin Aline W. Wolf, die uns auf diesen Text aufmerksam gemacht hat.

Der Autor Andreas Knapp ist Mitglied des Ordens der Kleinen Brüder. Der promovierte Theologe und Priester lebt in seiner Gemeinschaft in Leipzig (D) und verdient seinen Lebensunterhalt als Packer. Der Text erschien zuerst im österreichischen Magazin „Kirche in“ (09/2018).

2 Kommentare zu “Sieben Fragen zu Frauen in der Kirche

  1. Nadja Eigenmann-Winter schrieb am :

    Sehr geehrter Herr Knapp

    Herzlich danke ich Ihnen für Ihre konkreten Worte und Fragen, die auf der Frohen Botschaft beruhen!

    Ich bin Seelsorgerin in einem Spital im Kanton Zürich. Ihre „frauenfragen“ haben mich berührt und an die Worte erinnert, die ich im Advent 2013 als Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ SRF 1 sprach:

    „Mein Anliegen für die Erneuerung der röm.-kath. Kirche, zu der ich gehöre, … verrate ich Ihnen gerne:

    Advent – Sehnsuchtsweg
    ohne patriarchale Macht
    ohne Doppelmoral
    ohne Angst

    Weihnachten – Heilige Nacht
    Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus
    für alle Menschen
    geboren von Maria

    Advent – Sehnsuchtsweg
    weil Gottes Geist
    in Männern und Frauen gleichermassen wirkt
    darf der Berufung
    von Frauen zum Priesteramt niemand im Wege stehen
    ist die Liebe
    zweier Menschen zueinander kein Hindernis fürs Priesteramt

    … Wie oft muss ich diesen „Wunschzettel Sehnsucht“, gemeinsam mit vielen Frauen und Männern, noch zur Krippe tragen?

    Ich wünsche Ihnen Mut für Ihre Sehnsucht,
    Energie, sie sich nicht ausreden zu lassen
    und Vertrauen, den Weg zur Krippe zu gehen.“

    Der nächste Advent steht bevor. Nochmals herzlichen Dank für Ihre mutigen und ermutigenden Worte als katholischer Priester. Und herzlich gratuliere ich Ihnen zum Herbert Haag Preis 2018.

    Freundliche Grüsse Nadja Eigenmann

    • Andreas Knapp schrieb am :

      Liebe Nadja Eigenmann,
      danke für Ihre ermutigende Rückmeldung. Ich freue mich, wenn meine Texte zum Nachdenken anregen und dadurch vielleicht auch konkrete Schritte zur Veränderung vorbereiten können.
      Ich wünsche Ihnen viel Mut, Gelassenheit und Freude in Ihrem Dienst,
      Br. Andreas

Antworten