Osterfeuer als Grund zum Dank

«Von der Kirche hört man nichts, es sei denn, die Steuerrechnung kommt.»

Schon oft habe ich diese Aussage gehört. Gerne gehen wir Kirchenleute dann auf Konfrontation, im Sinn von: Jede*r muss eben selber aktiv werden, die Pfarreien habe viele Angebote. Tatsächlich aber muss man sich als Kirchenmensch und Angestellte einer Kirchgemeinde die Frage stellen: Was hören jene von der Kirche am Ort, die zwar die Angebote nicht nutzen, die Gottesdienste nicht oder nur selten mitfeiern und dennoch Kirchensteuer bezahlen? Sind wir nicht gerade auf diese Menschen angewiesen?  Was hätten sie uns zu sagen? Ja, mich interessiert, was jene Menschen zu sagen haben, die nicht zum inneren Kreis einer Pfarrei gehören.

Neben dem forum, das vierzehntäglich in die Briefkästen aller katholischen Haushaltungen unserer Pfarrei flattert, schreiben wir zweimal im Jahr einen ausführlicheren Pfarrbrief und einen Leitgedanken zur Karwoche und zum Osterfest. Grafisch und inhaltlich wertvoll werden diese Drucksachen gestaltet und ebenfalls allen Kirchenbürger*innen zugeschickt.

Im Wort zur Karwoche alle einbeziehen

Sie sind da – irgendwo in der Pfarrei, mitten drin, vielleicht etwas distanzierter, ab und zu schauend oder mitfeiernd. Wir stehen alle immer irgendwo, irgendwie mitten drin in Freude und im Leid in unserem Alltag und in unserer Welt. Mitten drin stehen wir auch als Christen und Christinnen, herausgefordert von der Botschaft der Liebe, die manchmal so gar nicht passt. Diese Liebe wird in der Karwoche, der Kernwoche unseres christlichen Glaubens, zur Lebensentscheidung. Sie stellt uns mitten hinein ins Leben mit allen Facetten, die das Leben ausmachen. Die Karwoche stellt uns auf die Füsse und manches vielleicht auf den Kopf.

Vom Palmsonntag über den Hohen Donnerstag zum Karfreitag und dann zum Osterfest gehen wir jedes Jahr symbolisch feiernd den Weg mit Jesus Christus. Nicht als Nachahmer*innen, sondern als heutige Menschen in Jesu Nachfolge. In tiefen Ritualen und Symbolen verdichtet sich unser Leben auch in seinen Grenzerfahrungen von Leid, Schmerz und Tod und die Überwindung der Mächte des Todes. Die Karwoche lässt uns im wahrsten Sinn des Wortes zu Grunde gehen. Sie lässt uns den Grund unseres Glaubens und Hoffens erahnen. Und in allem drin ist die Tiefe Erfahrung, dass Gott uns nie zugrunde gehen lässt.

Im Mitgehen dieser Woche spiegelt und entfaltet sich göttliche Kraft im erlösenden Christus  –  die lebende Antwort auf die Fragen suchender Menschen. Im Leben von Jesus, dem Christus, in seinem Leiden und Sterben und Auferstehen scheint Gott auf  –  einmalig  und ganz!

Singen werde ich

und dem Tod Land abgewinnen mit jedem Ton!“

Dorothee Sölle

 

Ich danke allen, die  mitgeholfen haben, die vergangene Karwoche und das Osterfest zu gestalten. Sei es als Sängerin oder Sänger in einem Kirchenchor, als Lektor*innen,  Musizierende, ganz speziell auch den Ministrant*innen, welche diese Woche einmalig mitgestaltet haben, und ich danke allen Mitfeiernden der verschiedenen Gottesdienste, die glaubend den Weg mitgehen.

Danken möchte ich auch jenen, die nicht mitgefeiert haben, aber mit ihrer Kirchensteuer beitragen, dass wir in unserer Pfarrei neben der Liturgie ganz viel bewegen können im Sozialen, mit Jugendlichen, Familien und für ältere Menschen.

Danke, Sie sind uns wichtig. Denn auch mit Ihrem Beitrag wird das symbolisch wärmende Osterfeuer immer wieder neu angefacht, wird Ostern konkret zum Fest des Lebens in Fülle für alle.

Monika Schmid, Pfarreibeauftragte

St. Martin, Illnau-Effretikon/Lindau/Brütten

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