Lachen ist gesund! Im Spital und in der Fastenzeit

Lächeln oder lachen darf auch in der Fastenzeit seinen Platz haben. Humor, Lächeln oder herzliches Lachen wirken ansteckend, aber machen nicht krank! Alle drei wirken sich auf Menschen besonders positiv aus.

Lachen ist Medizin

Stellen Sie sich ein Spital vor, das ein riesiger Schafstall wäre:

  • Mit 3 Stationen für verletzte und kranke Schafe, inklusive Notfallaufnahme und Intensivbetreuung,
  • einer Tagesklinik, Untersuchungszimmern und Therapieräumen für Schafe, die nur ein paar Stunden hier bleiben müssen
  • einem Bereich für Mutterschafhaltung.
  • Im Untergeschoss ist die Reparaturwerkstatt für diesen Schafstall, das Depot für Medikamente und Verbandsmaterial und das Vorratslager für Futter und das Wasser.
  • Im Erdgeschoss befinden sich die Tränken und Futtertröge, wo sich viele Schafe stärken können.

Schaf

Jesus vergleicht im Gleichnis vom verloren Schaf, die Menschen mit Schafen. Wenn ich jetzt das Spital mit einem Schafstall vergleiche und die Menschen darin mit Schafen:

  • Wer ist dann der Hirte?
  • Oder gibt es mehrere Hirten und Hirtinnen – bei so vielen Abteilungen?
  • Ist der Spitaldirektor der Hirte? – Nein!
  • Sind es der Chefarzt oder die Chefärztin? – Nein! … und Halbgötter in Weiss sind sie schon lange nicht!
  • Wenn nicht sie, wer dann?
  • Vielleicht meine reformierte Kollegin und ich, die im Auftrag unserer Kirchen im Einsatz sind? Nein! Wir bezeichnen uns nicht als Hirtinnen.

Im Gleichnis vom verlorenen Schaf vergleicht Jesus Gott mit einem Hirten, der nicht aufgibt, das verlorene Schaf zu suchen, bis er es findet. Als er es gefunden hat, freut er sich, trägt es glücklich auf seinen Schultern zurück zur Herde und teilt seine Freude mit den Nachbarn und Freunden.  Da stelle ich mir vor, wie der Hirte und alle anderen vor Freude lachen.

Gott freut sich also, wenn kein Mensch verloren bleibt,

sondern alle, die sich verloren vorkommen,

in die Mitte des Lebens zurückgebracht werden,

dorthin, wo sie hingehören,

dorthin, wo ihnen von anderen Menschen geholfen werden kann.

Wenn die Rettungssanitäter und -sanitäterinnen die gestrauchelten Menschen, z.B. mit Drogenproblemen zu uns tragen, Menschen, die wie ein verirrtes Lämmchen zittern, sich für ihren Zustand schämen und diesen Menschen geholfen werden kann, freut sich Gott, lacht und strahlt und wir mit ihm!

Ich bin überzeugt, Gott ist hier der Hirte und Beschützer von uns allen.

Aber wer sind dann wir, die hier arbeiten? Wir sind auch Schafe! Schafe mit verschiedenen Talenten und Aufgaben.

Als Seelsorgerin darf ich hier ein Schaf unter Schafen sein, das anderen Nähe und Wärme geben darf – mit meiner Wolle und meinem Herzen! Manchmal blöke ich mit anderen zusammen oder kaue, was schwer verdaulich ist, wieder. Das System der Fallpauschalen würde ich am liebsten aus dem Schafstall ginggen!

Nicht selten lachen wir von Herzen, wie neulich zu Beginn des Gottesdienstes: Eine Patientin fragte, warum ich mir ein Nachthemd (es war die weisse Tunika) übergezogen hätte. … Dann stellte sich heraus, dass sie sehr stark kurzsichtig ist. Trotzdem meinte sie noch: Der Peter (mein Priesterkollege) habe wenigstens noch etwas Buntes dazu an.

Wichtig ist, wir haben nicht über die Patientin gelacht, sondern über die Situation! Das, so meine ich, ist guter Humor.

Lachen und Weinen im Spitalalltag

Meine reformierte Kollegin und ich erfahren viel Trauriges und Sprachlosigkeit. Lachen und Weinen liegen manchmal nur eine Tür weit auseinander.

Manchmal darf ich Zuversicht weitergeben: Wie jener alten Frau, die im Sterben lag. Ich kannte sie erst seit drei Tagen. Sie war äusserst unruhig und konnte nicht mehr sprechen. Die Pflegenden bemühten sich sehr um sie und immer wieder hielt jemand bei ihr Sitzwache. … Auf dem Weg zu ihrem Zimmer dachte ich: Oh Gott, jetzt musst du mir helfen, ich weiss nicht, was ich tun soll. Da kam mir der Psalm 23 vom guten Hirten in den Sinn. Als ich bei ihr war, habe ich ihn langsam vorgelesen. Bei der Stelle „denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“, ist ihr Atem plötzlich viel ruhiger geworden und sie selber auch. Etwa 5 Minuten später ist sie gestorben.

Ich glaube, dass Gott für uns alle der gute Hirte ist.

Halten wir ihm alle unsere Gebrechen,

unsere Sprachlosigkeit

und alles nicht Verstehen hin.

Klagen wir ihm, was uns belastet,

wo wir uns verloren fühlen.

Und lassen wir uns von ihm finden.

 

Ich bin überzeugt, er sucht uns,

jeden einzelnen und jede einzelne

und er wird nicht aufgeben, bis er uns gefunden hat,

um uns aufzurichten,

damit wir glücklich sind und strahlen.

 

(Der Text ist Teil der Predigt zum Tag der Kranken am 6. März)

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