Ist Gott ein Fussballfan?

„Ist Gott ein Fussballfan?“ fragt sich Theologe Bernd Siemes – und kommt zur Einsicht: „Sicher nicht, denn sonst wäre doch mein Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach jedes Jahr Deutscher Meister und die Schweiz wäre Weltmeister.“

Bernd Siemes bei seinem Fussballgottesdienst am 8. Juli

Nein. Gott kann nicht Fan von einem bestimmten Verein oder einer Nation sein. Gott ist der Gott aller. Doch ist Gott sicher begeistert, wenn Menschen sich am Fussballspiel begeistern. Jeder sein Talent nutzt und ein Team miteinander sich einsetzt, um zu gewinnen. Fair sollte es sein und offensiv. So ist Gott von vielen Spielen dieser WM nicht gerade begeistert gewesen. Denn Gott selbst ist nicht abwartend, sondern tritt selbst in Aktion. Das feiern wir an Weihnachten begeistert. Gott selbst ist Mensch geworden, hat somit offensiv seine Liebe gezeigt. Auch wenn dies nur noch eine Randnotiz des Festes zu sein scheint. Schnell wird das Christuskind wieder weg geräumt, so bald das letzte Geschenk ausgepackt ist. Ganz gleich gleich Gott ist uns nicht fern, sondern wie ein Vater. Dies hat der erwachsene Jesus allen Menschen voller Spielfreude verkündet. Seine Frohe Botschaft vom Anbruch des Reich Gottes hat begeistert und ist begeisternd. Jesus bringt Gott selbst ins Spiel. Das überrascht und verwirrt. Beeindruckt waren die Menschen von seinem Auftreten und vor allem seinen Wirken. Die Liebe, die Nähe, die Kraft von dem Gott, der da ist war zu erleben. Erwartungen hat Jesus geweckt bei seinen Freunden und vielen anderen. Auch in seiner Heimatstadt Nazareth hatten sie diese.

Viel hatten sie schon von ihm gehört. Jesus erwartete bei seiner Rückkehr Anerkennung.

Doch: „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat.“

Jesus wunderte sich über den Unglauben der Menschen. Ihnen fehlte die Offenheit. Sie hatten ihr Bild von ihm, sie kannten ihn als einfachen Menschen. Sie konnten es nicht glauben, dass Jesus so besonders sein soll. Dazu fehlte ihnen das Vertrauen. So konnte Jesus dort kein Wunder tun.

Teamgeist samt Offenheit und Vertrauen

Offenheit und Vertrauen braucht es für jede Beziehung und auch, um die Nähe Gottes zu erfahren.  Einen solchen Teamgeist braucht es auch beim Fussball. Jesus hat seine Mannschaft gehabt – seine Jünger und viele andere. Es waren sogar mehr als elf.

Jesus hat gewirkt, die Liebe Gottes versucht offensiv allen Menschen zu zeigen. Dies tat er so entschieden, dass manche es nicht ertragen konnten. Ihre Gewohnheiten, Traditionen, ihre Macht sahen sie gefährdet. So wehrten sie ihn ab mit allen Mitteln bis zum grossen Finale in Jerusalem. Und gerade dort am Kreuz zeigte Jesus im Leiden und Sterben, in der Niederlage und im Scheitern, dass jedes Siegen und jeder Machtgewinn letztlich bedeutungslos ist.

Gott überrascht

Gott ist kein Siegertyp, kein Star, sondern ist einfach da und bleibt da, ganz gleich ob es einen Abpfiff gibt. Die Verbundenheit bleibt. Dies haben auch die Vertrauten Jesu durch seine Auferstehung erleben können. Sie haben Menschen im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heilgen Geistes getauft. Gemeinschaften bilden sich, die die offensive Liebe Gottes weiter leben und feiern. Bis heute, überall auf der Welt geschieht es. Jetzt sind wir sozusagen die Spieler des einen Gottes, der uns so nahe ist und unser aller Vater bleibt.

Bernd Siemes war Pastoralassistent in der Pfarrei Maria-Krönung und wechselt nun in die Spital-Seelsorge im Universitätsspital Zürich.  

 

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