Wie kommunizieren verschiedene Kulturen?

Haben Sie schon einmal ein grünes Schaf gesehen? Nein? Dann schauen Sie sich mal den Animationsfilm von Carsten Strauch an. „Das grüne Schaf“ zeigt auf humorvolle Weise, wie verschiedene Kulturen gekonnt miteinander kommunizieren können.

Wie geht interkulturelle Kommunikation?

Interkulturell kommunizieren – das erproben Frauen und Männer mit und ohne Migrationshintergrund an der Fachstelle für Religionspädagogik in Zürich. „Interkulturelle Katechese“ nennt sich das Angebot. Es geht um vertraute und ungewohnte Sichtweisen auf die eigene und andere Kultur. Es geht um eine Haltung, die kulturelle Vielfalt bereichernd finden kann. Es geht um ein Lernen voneinander, miteinander und übereinander.

Ein Blick in das Ausbildungsmodul Interkulturelle Katechese

Sinnenfroh das „Coming in“ vor jedem Unterricht: Stehtische mit Köstlichkeiten aus der spanischen, portugiesischen, schweizerischen und schwäbischen Küche. Alle bringen etwas mit, es duftet nach Fremden und Vertrautem, die Augen laben sich an farbenfrohen Speisen. Bienvenida…bem-vindo…herzlich willkommen!

So eingestimmt starten wir mit dem Unterricht. Heute geht es um Rhythmus: was macht einen Unterricht rhythmisch, abwechslungsreich und lebendig? Wir versuchen das zuerst mit unseren Füssen: Ich bin da, ich bin da…abwechselnd setzen wir die Füsse fest auf den Boden, stolpernd finden sie langsam zu einem gemeinsamen Rhythmus…Du bist da, und du bist da, und du bist da…ich freu‘ mich so….unsere Hände drücken aus, was wir empfinden, jede und jeder auf ihre Weise. Vielfalt des Ausdrucks getragen von einem gemeinsamen Rhythmus.

Lehrmittel Interkulturelle Katechese

Dann geht’s weiter mit den pädagogischen Grundlagen. Wir arbeiten mit dem Lehrmittel „Interkulturelle Katechese“. Das hat die Fachstelle zusammen mit Katechetinnen der Missionen eigens dafür entwickelt. Es ist mehrsprachig, kreativ und praxisbezogen und fördert interkulturelles Lernen. 2014 gab’s dafür eine Auszeichnung (Innovationspreis 2014).

Interkulturelles Lernen macht macht viel Spass. Wenn ich mich in Spanisch versuche und die Worte dann etwas anderes bedeuten. Oder wenn Isabel mit beiden Armen in der Luft rudernd nach der passenden Übersetzung sucht.

Sprache ist auch Kultur und diese gilt es erst zu verstehen, nicht nur mit dem Kopf, sondern mit allen Sinnen.

Immer wieder kommen Fragen:

  • wie macht ihr das und warum?
  • Warum braucht ihr so viel Pädagogik in der Katechese?
  • Warum ist in den Missionen das Lernen „par coeur“ so wichtig?

Natürlich stossen wir auch an Grenzen, wenn wir auf ein Verhalten treffen, das so anders ist als gewohnt. Doch wir versuchen das, was uns fremd erscheint, zu kommunizieren. So kann das Verständnis für kulturelle und religiöse Unterschiede und Werte wachsen. „Interkulturelle Kompetenz“ nennt man das.

Katholisch:  Vielfalt des Ausdrucks – ein Glaube

Wir erfahren wir in diesen Lernprozessen auch, was es bedeutet, katholisch zu sein: herrlich weit, vielfältig, lebendig und sinnenfroh. Und das auf einer gemeinsamen Basis: unserem christlichen Glauben.

Wir schöpfen aus der Fülle und dem Reichtum dieser Tradition und vermitteln diese Vielfalt. Wir regen Lernprozesse an, die das Selbstbewusstsein für die eigene Kultur stärken aber auch die andere Kultur wertschätzen kann. Vielfalt des Ausdrucks und der Formen und ein christlicher Glaube.

Kultursensibel ausbilden

Migration ist an unserer Fachstelle Realität. Derzeit haben wir einen Ausbildungsgang, wovon 80% der Teilnehmenden einen Migrationshintergrund haben. Das Ausbildungsteam begegnet dieser Herausforderung kultursensibel. Wie das geht, sagt es hier selbst:

  • „Unsere Modulgruppen sind immer häufiger national und kulturell gemischt. Die Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Wertvorstellungen, Gewohnheiten und Meinungen zu respektieren. Schon nach wenigen gemeinsamen Modultagen spüren die Teilnehmenden, wie wertvoll eine solch bunte Gruppe sich ergänzen kann – kulturell, sprachlich und religiös.“

 

  • „Die Teilnehmenden lernen Methoden kennen, mit denen sie sensibel mit verschiedenen Kulturen umgehen können. So lernen sie z.B. die Werkstatt-Arbeit kennen, welche das Differenzieren möglich macht. Sie üben anhand der Methode vom kooperativen Lernen, dass sich verschiedene Kulturen bereichern und erleben den Gewinn selber in ihrer eigenen Arbeit.“

 

  • „Die Teilnehmenden lernen einerseits neue Gottesdienstformen kennen und erleben die Verschiedenheit des Angebots für unterschiedliche Altersgruppen, sie nehmen andererseits aber auch das Verbindende der Liturgie über alle Sprach- und Ländergrenzen in der kath. Kirche aller Länder wahr. Sie erleben, dass der Ablauf der Liturgie und Gebete verstanden werden kann ohne Kenntnisse der jeweiligen Landessprache.“

 

  • „Mit Blick auf die Prüfung mache ich den Teilnehmenden, die einen Migrationshintergrund haben, Mut, dies nicht als Schwäche, sondern als Stärke zu sehen und den Aspekt der Interkulturellen Katechese als Ergänzung der Überlegungen einzubringen. Zudem stelle ich fest, dass Personen mit einem anderen kulturellen Hintergrund oftmals viel freier und dynamischer präsentieren und durch die Nutzung des Raums sehr gewinnend wirken können.“

 

  • „Bei allen Inhalten versuche ich den Teilnehmenden stets das Verbindende zu vermitteln, aber auch auf Unterschiede hin zu weisen. Ich erachte es als wichtig, dass katechetisch Tätige sich der kulturellen Unterschiede bewusst sind und den Blick auf das Verbindende legen können. Damit haben katechetisch Tätige in den Pfarreien schlussendlich eine Methodenkompetenz und können situativ das Setting gestalten.“

Interkulturelle Katechese ist Zukunft

Nicht nur an der Fachstelle sondern auch vor Ort in den Pfarreien wird interkulturelles Lernen erprobt. Hier tun sich neue Möglichkeiten auf, Missionen mit den Ortspfarreien katechetisch zu vernetzen. Das erste Pilotprojekt in St. Gallus Zürich zeigt, wie Kulturvermittlung gelingen und zu einer Verlebendigung des Pfarreilebens führen kann. Radio Vatikan hat darüber berichtet. Ein weiteres Pilotprojekt hat im Seelsorgeraum Schlieren angefangen. Inzwischen kommen immer mehr Anfragen aus den Pfarreien die verschiedenen Aufbrüche und Versuche zu begleiten. Wir freuen uns über diese Entwicklung. Interkulturelle Katechese hat Zukunft und macht Freude. Und es wird viel gelacht: über das Schaf, das nicht nur grün sondern bunt ist.

Links

Das grüne Schaf, Ausschnitte (kann bei Relimedia inkl. Material ausgeliehen werden)

Ausbildungsmodul Interkulturelle Katechese

Lehrmittel Interkulturelle Katechese

Innovationspreis 2014

Beitrag Radio Vatikan über das Projekt

 

Foto von Uta-Maria Köninger

Uta-Maria Köninger_FOTO: Aurélie Ménard Photography

 

Uta-Maria Köninger leitet die Fachstelle für Religionspädagogik Zürich.

uta-maria.koeninger@zhkath.ch

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