Karte zum Firmalter der Pfarreien im Kanton Zürich

Jugendkatechese im Kanton Zürich

„Welche Pfarrei im Kanton Zürich macht eigentlich was im Bereich Jugendkatechese?“ Mit dieser Frage sehe ich mich häufig konfrontiert, wenn ich Mitarbeitende aus den Pfarreien beim Aufbau eines Konzepts für ihre Pfarrei berate. Ich konnte dann meist Beispiele von vergleichbaren Pfarreien bringen, nie aber den gewünschten Überblick geben. Das hat sich nun geändert.

Nachdem ich mit der Sekundarstufenkommission (SSK) vor gut zwei Jahren das Pfarreiliche Sekundarstufenkonzept Perspektiven 2011 entwickelt habe, liegt seit vergangenen Herbst der Abschlussbericht unserer Kommissionsarbeit vor, und ich freue mich, den ersten Überblick zur Jugendkatechese im Kanton Zürich präsentieren zu können. Grundlage hierfür war eine Datenerhebung, die zwischen Januar und Juni 2013 mittels Umfragebogen in den Pfarreien durchgeführt wurde.

Konzept

Von den 99 Pfarreien und Rektoraten im Kanton Zürich haben 10 Pfarreien kein katechetisches Angebot für Jugendliche ausgenommen der Firmung. Drei Viertel der Pfarreien arbeiten mit Perspektiven 2011 oder einem damit kompatiblen, eigenen Konzept. Damit verbunden sind in der Regel variable und tendenziell grössere Zeiteinheiten, sowie die Ergänzung der klassischen Katechese durch Liturgie und Diakonie. So tritt neben der Begleitung der Jugendlichen auf ihrem Glaubensweg der Aspekt der Beheimatung im Glauben in den Vordergrund. Ein Viertel der Pfarreien verfolgt einen traditionelleren Ansatz mit schulischen Zeiteinheiten und dem Fokus auf der Wissensvermittlung.

Flickenteppich Firmung

Betrachtet man das Firmalter in den einzelnen Pfarreien, so offenbart sich ein regelrechter Flickenteppich. Ein Drittel der Pfarreien firmt im Verlauf des neunten Schuljahres (eine kleine Minderheit bereits früher). Zwei Drittel setzen das Firmalter nach der obligatorischen Schulzeit an (mehrheitlich im zweiten Lehrjahr, weniger oft im ersten oder dritten Lehrjahr).  In der Mehrheit der Pfarreien ist die Teilnahme am katechetischen Angebot in den Jahren vor der Firmung Voraussetzung für die Teilnahme am Sakramentenempfang. Es zeichnet sich jedoch ab, dass zunehmend Pfarreien die Einführung einer differenzierten Katechese prüfen und unterschiedliche Zugänge zum Sakramentenempfang schaffen.

Meine Bilanz

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die meisten Pfarreien die Veränderungen gut gemeistert haben, die die Einführung des schulischen, religionskundlichen Fachs Religion und Kultur in den Jahren 2008-2010 auf allen Stufen der Volksschule mit sich brachte. Besonders diejenigen Pfarreien, die ihrem Angebot ein klar erkennbares katechetisches Profil geben und auf eine kontinuierliche Begleitung der Jugendlichen setzen, können die Jugendkatechese als Ergänzung zum obligatorischen Schulfach etablieren.

Informationsveranstaltung

Wer mehr zum Abschlussbericht und zur Jugendkatechese im Kanton Zürich wissen möchte, ist herzlich zur Informationsveranstaltung am Mittwoch, 29.01.2014, 9.30-12.00h, an der Fachstelle für Religionspädagogik Zürich eingeladen. Weitere Informationen und Unterlagen finden Sie auf unserer Homepage.

Update 1

Inzwischen ist die Informationsveranstaltung durch. Es gab angeregte Diskussionen und es besteht weiterhin Gesprächsbedarf. Weitere Ergebnisse der Umfrage, die bei der Veranstaltung präsentiert wurden, sind in diesem Dokument abrufbar. Dazu ist folgendes zu sagen: Die Mehrheit der Pfarreien scheint mit ihrem aktuellen jugendkatechetischen Angebot zufrieden zu sein und plant keine Veränderungen. Eine Betrachtung der Konzepte hat gezeigt, dass die Pfarreien selten ausschliesslich auf Wissensvermittlung setzen, sondern Liturgien, soziale Projekte, gemeinschaftsbildende und Spirituelle Elemente einbauen und lebensweltbezogene Themen aufgreifen. Damit wird zunehmen der Wechsel vom Religionsunterricht zum katechetischen Angebot vollzogen. Betrachtet man die Zeitformate, so zeigt sich, dass die Mehrheit der Pfarreien mit Zeitgefässen von 120 Minuten oder mehr (bis hin zu Lagern) arbeitet und die klassischen Zeitgefässe von 45 oder 90 Minuten verlässt. Hierdurch kann mehr erfahrungsbezogenes Lernen erfolgen.

Beim Firmweg sind Gruppenabende die meist genutzte Angebotsform. Es folgen Liturgien und die Firmreise. Die weitere Verteilung ist dem verlinkten Dokument zu entnehmen, ebenso wie die Spannbreite der Anzahl Gruppenabende. Es fällt auf, dass die Pfarreien mehrheitlich keinen Handlungsbedarf die Firmung betreffend sehen.

Ich freue mich auf weitere Kommentare, Fragen, Anregungen.

5 Kommentare zu “Jugendkatechese im Kanton Zürich

  1. Priska Näpflin schrieb am :

    Ich habe gestern Abend Auszüge aus dem Konzept Perspektive 11 und aus dem Abschlussbericht für den Elterninfoabend 7./8. Klasse verwendet. V.a. die Übersichtkarten des Kantons haben bei den Eltern viel „Aha“ ausgelöst. Daraus ergaben sich spannende Fragen und Diskussionen. Die Überraschung über den „Flickenteppich Firmung“ hat so manches Kopfschütteln hervorgerufen … und der Vergleich mit anderen Regionen der CH (auch städtische), die eine Einheit kennen und PFLEGEN, kam auf…..
    Ein äusserst spannender Abend!

    • Da wäre ich auch sofort dafür, dass im Kanton Zürich, wie im Bistum St.Gallen ein einheitliches Firmalter angestrebt wird! 17/ oder 18+ wäre eine grosse Chance, auch nachhaltige Firmarbeit zu leisten! Zur Zeit erarbeite ich zusammen mit Marcus Scholten und Josef Annen eine Tagung zum Thema „arbeiten mit ehrenamtlichen FirmbegleiterInnen“. Gerade diese Aufgabe ist eine riesige Chance für Pfarreien, Jugendliche und junge Erwachsene im Pfarreileben partizipativ einzubinden! Ich hoffe, dass ich demnächst das Datum dieser Tagung bekannt geben kann!

      • Ich stimme Michael zu, dass ein einheitliches Firmalter viele Kräfte bündeln würde und hoffe sehr auf die künftige Entwicklung. Was die Tagung zur Arbeit mit Firmbegleitenden betrifft: Tolle Sache! Im Bistum St. Gallen sind solche Veranstaltungen bereits etabliert und ich erachte den Einbezug von ehrenamtlichen Firmbegleitenden als gute Möglichkeit, junge und ältere Gemeindemitglieder einzubeziehen, ihnen Verantwortung zu übertragen und dadurch an einer sich selbst tragenden Pfarrei zu arbeiten. Freue mich auf das Update, wenn es soweit ist.

    • Liebe Priska, danke für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass ihr einen spannenden Abend hattet und die Übersichtskarten sich als Anschauungsmaterial eignen. Auch wenn die einzelnen Pfarreien jeweils Gründe für ihr Firmkonzept, und damit verbunden, mit dem jeweiligen Firmalter haben, so ist das für die Gläubigen nicht immer nachvollziehbar. Gerade in Anbetracht der aktuellen Bemühungen, den staatlichen sprachregionalen Bildungsbereich zu harmonisieren, wirken die Argumente gegen ein einheitliches Firmkonzept wenig zwingend. Zumal dies in anderen Kantonen möglich ist. Und während es ein jugendkatechetisches Konzept für den Kanton Zürich gibt (Perspektiven 2011), so fehlt dies für die Firmung.
      Ich hoffe jedoch, dass dies eines Tages realisiert werden kann und es dadurch sowohl für Familien, die innerhalb des Kantons leichter wird, als auch für pastoral Tätige, die ihren Einsatzort wechseln. Und bis dahin helfen Übersichtskarten, wie die im Abschlussbericht, sich mit dem eigenen Konzept zu verorten.