Eine Chance: Freiwillige in der Firmbegleitung

Von Michael Zingg (Jugendseelsorge)

Michael Zingg JugendseelsorgeWährend 12 Jahren durfte ich als Firmverantwortlicher in einer Pfarrei Erfahrungen mit freiwilligen Firmbegleitern sammeln. Dafür habe ich ein neues Firmkonzept eingeführt und ständig weiter entwickelt. Ich durfte eindrücklich erfahren, welches Potential diese Form der Freiwilligenarbeit mitbringt. Einige der freiwilligen Begleitpersonen besuchten danach das RPI (Religionspädagogisches Institut) in Luzern, andere wählten, durch die gesammelten Erfahrungen, einen Beruf im sozialen oder schulischen Bereich.

Die Arbeit mit freiwilligen Firmbegleitern ist ein Thema, welches je nach Region und Bistum ganz unterschiedlich präsent ist. Viele Pfarreien im Kanton Zürich arbeiten (noch) nicht mit Freiwilligen auf dem Firmweg.

Dabei ist die Arbeit mit freiwilligen FirmbegleiterInnen für jede Pfarrei eine grosse Chance, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen eine sinnvolle Aufgabe zu geben.

  • Aber warum soll man überhaupt Freiwillige in der Firmbegleitung einsetzen?
  • Können die das überhaupt?
  • Verliert damit der Firmweg nicht an Professionalität?
  • Würde das bedeuten, dass dadurch der Firmverantwortliche entlastet und somit mehr Pensum für anderes zur Verfügung steht?

Zur ersten Frage, nach dem Warum?

Auf dem Firmweg wird den Jugendlichen eingeschärft, dass sie Verantwortung übernehmen müssen. Sie sollen aus eigener Überzeugung JA zu Gott und zur kirchlichen Gemeinschaft sagen. Und danach? Jetzt müsste die Pfarrei aktiv werden und beweisen, dass sie selbst die Firmung ernst nimmt. Indem sie Gefirmte als freiwillige Firmbegleitende einsetzt, ermöglicht sie ein aktives Mitdenken, Mitgestalten und Mitleiten dieser kirchlichen Gemeinschaft.

  • Sie setzt damit ein Zeichen des Vertrauens gegenüber den Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen. Sie zeigt, dass man die Gefirmten ernst nimmt und nicht nur ihr JA und ihre Präsenz am Sonntag im Gottesdienst wünscht.
  • Sie signalisiert, dass man bereit ist, Verantwortung zu übertragen. Welche Lebensschule könnte diesen Jugendlichen besser beibringen, als Christin/Christ eine Vorbildfunktion einzunehmen? Diese Lebensschule stärkt ihre Haltung gegenüber der Kirche, ihrem Glauben und ihrer Persönlichkeit.
  • Hinzu kommt, dass die Firmbegleitende nicht nur die Pfarrei, sondern auch verschiedene kirchliche und soziale Berufsfelder kennen lernen. Für viele werden die gesammelten Erfahrungen als Firmbegleiter zukunftsweisend und haben unter Umständen auch Einfluss auf ihre Berufswahl.

Firmung JugendlicheZweite Frage: Können die das?

Sie können, und wie! Aber natürlich brauchen sie dafür eine gute, professionelle Begleitung.

  • Es müssen Kurse für sie organisiert werden, an denen sie sich weiterbilden können.
  • Es müssen Sitzungen stattfinden, in denen die Treffen vorbereitet und besprochen werden.
  • Man kann davon ausgehen: je jünger die Frauen und Männer in der Firmbegleitung, umso intensiver die Begleitung. Das bedeutet jedoch nicht, dass man ihnen keine Leitung einer Firmgruppe anvertrauen darf, im Gegenteil! Sie machen diese Aufgabe ja vor allem, weil sie diese Herausforderung suchen.

Dritte Frage: Verliert der Firmweg an Professionalität?

Im Gegenteil! Was ist professioneller als Freiwillige zu einer solchen Aufgabe zu bewegen? Ein Ziel von kirchlichen Angestellten ist der Bau einer lebendigen Kirche! Voilà, da ist sie! Des Weiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass freiwillige, junge Menschen im Glauben den Firmanden oft viel näher stehen als Theologen und Religionspädagogen. Wenn ein „Gleichgesinnter“ zum Gebet oder einem Gespräch über Gott, Glaube oder Kirche einlädt, hat dies eine andere, bessere Qualität als wenn es der Pfarrer, der/die Religionslehrperson oder der/die Firmverantwortliche tut.

Firmung JugendseelsorgeKönnen wir jetzt Stellenprozente sparen?

Aufmerksame Leser kennen die Antwort bereits – NEIN! Für einen Firmweg mit freiwilligen FirmbegleiterInnen benötigt man mindestens 20 Stellenprozente. Je nach Aufwand des Firmweges noch mehr. Wie bereits erwähnt, braucht es Sitzungen sowie Kurse für die FirmbegleiterInnen. An den Infoabenden, Weekends, auf den Reisen und, unter Umständen, auch an den einzelnen Treffen ist man als Firmverantwortliche Person anwesend. Nicht zu unterschätzen ist der Aufwand an Beziehungsarbeit mit den FirmbegleiterInnen. Damit diese ihre Aufgabe mit Freude ausüben, braucht es Anerkennung.

Grundlegend: Flexibilität und Spass an Zusammenarbeit

Die Firmverantwortliche Person muss Spass an der Zusammenarbeit mit Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen haben. Sie/Er muss sich bewusst sein, dass sich vieles in die Abendstunden und Wochenenden verlagert. Die Beziehungsarbeit ist ein wesentlicher Punkt und darf nicht zu kurz kommen.

Die FirmbegleiterInnen wollen erfahren, dass Ihre Arbeit und ihr Mitwirken geschätzt werden.

Dafür braucht es keine Löhne! Erfahrungsgemäss finden sie gemeinsame Ausflüge, Reisen und Essen ganz toll. Dafür braucht es ein ausreichendes Budget. Geld, welches sehr gut investiert ist.

Es ist ein Traum von mir, dass zukunftsgerichtet in jeder Pfarrei FirmbegleiterInnen genauso verankert und selbstverständlich wie MinistrantInnen, LektorInnen, Jungwächtler, Blauringmädchen und PfadfinderInnen sind

Die Jugendseelsorge bietet eine Fachtagung zum Thema Freiwillige Firmbegleiter an, am 21. Januar 2015. Eingeladen sind alle Interessierten aus Kirchgemeinden und Pfarreien. Weitere Informationen finden Sie hier.

Michael Zingg arbeitet bei der Jugendseelsorge Zürich für den Bereich Firmung. Sollte dieser Blog Ihr Interesse geweckt haben, nehmen Sie doch Kontakt auf: michael.zingg@jugendseelsorge.ch

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