9000 Stunden Freiwilligenarbeit: Albertina Kaufmann

Nach 12 Jahren führte Albertina Kaufmann am 21. Juni ein letztes Mal als Präsidentin des kantonalen Seelsorgerates die Versammlung. Damit geht mit der 145. Sitzung dieses Gremiums eine Ära zu Ende, die ihresgleichen sucht.

Ein mehrfach denkwürdiger Anlass

Denkwürdig war der Anlass nicht nur wegen des Generationenwechsels, sondern auch, weil am 22. Juni vor 50 Jahren der Seelsorgerat gegründet worden war. Neben der Präsidentin wurden auch etliche langjährige Mitglieder des Rates verabschiedet. Die Abschiedsvoten zeigten, wie sehr die Mitarbeit in diesem Beratungsgremium geschätzt wurde – mit viel persönlichem Einsatz und Arbeit und noch mehr Sinnhaftigkeit verbunden. Besonders zu schätzen wusste der Seelsorgerat, dass Generalvikar Josef Annen nicht nur präsent war, sondern jederzeit auch Red und Antwort stand.

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In einem Rückblick auf die Jahre 2012 – 2016 führte Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral des Generalvikariats die vielfältigen Engagements des Seelsorgerates noch einmal vor Augen. Hatte die scheidende Präsidentin in den vergangenen 12 Jahren alle Zügel fest in der Hand, gelang bei der letzten Sitzung ein Überraschungscoup, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Ausserhalb jeglicher Traktanden trafen immer mehr Überraschungsgäste von nah und fern ein, um Albertina Kaufmann zu danken und sie in einem gebührenden feierlichen Rahmen zu verabschieden.

Als Dank einen Stein

Als Geschenk überreichte Generalvikar Josef Annen einen persönlich gravierten Pflasterstein, der in Einsiedeln auf dem Klosterplatz eingelassen ist und den Namen von Albertina Kaufmann trägt.

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Die Frage, wie viele Stunden Freiwilligenarbeit sie in diese Aufgabe investiert hat, kann Albertina Kaufmann auf die Schnelle beantworten: „Umgerechnet zwei Arbeitstage pro Woche, also ein 40%-Pensum.“

Man rechne! 45 Jahreswochen zu 16 Stunden und das 12 Jahre lang: Ergibt 8‘640 Stunden. Beim Engagement, wie es Albertina Kaufmann an den Tag gelegt hat, dürften es jedoch locker oder gar mehr als 9‘000 Stunden gewesen sein. Bei einem Stundenlohn von 25 Franken wäre ihr Einsatz wirtschaftlich gesehen 225‘000 Franken, aufgerundet eine Viertelmillion wert. Ein Mehrfaches davon hat sie mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz im und mit dem Seelsorgerat zugunsten der Kirche und der Gesellschaft ausgelöst.

Nicht eingerechnet ist ihr Einsatz, den sie neben dem Seelsorgerat auch noch in der eigenen Pfarrei erbracht hat.

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Geheimnis: Effizienz und Erwartungen

Geschäft, Familie mit 4 Kindern (mittlerweile alle Erwachsen), bis zur Pensionierung eine 50% Anstellung beim Frauenbund: Wie hat Albertina Kaufmann es geschafft all das unter einen Hut zu bringen?

„Mein Tag hat wie alle anderen 24 Stunden“, antwortet sie lächelnd, „ich nutze die Zeit jedoch sehr effizient. Jeden Tag stehe ich um 5 Uhr morgens auf. Ich finde für die Arbeit einen Anfang, aber auch ein Ende. Meine Arbeitsweise ist sehr effizient und strukturiert. Und so habe ich, wenn andere aufstehen bereits viel erledigt und die Familie kam nie zu kurz.“

Der kantonale Seelsorgerat ist ein Beratungsgremium für den Generalvikar und setzt sich aus ernannten und in den Dekanaten gewählten Mitgliedern zusammen. „Als Präsidentin hat es mich mit Freude erfüllt, dass der Seelsorgerat ein Team ist, das gut zusammenarbeitet“ schaut die scheidende Präsidentin dankbar zurück.

Auf die Frage, was ihr Einsatz in den 12 Jahren bewirkt hat, denkt sie zunächst länger nach und bringt ihr Fazit auf den Punkt:

„Ich habe mich immer zuerst gefragt, mit welcher Erwartung ich an die Dinge herangehe. Wer mit überhöhnten Erwartungen startet, erntet nur Frustration. Deshalb habe ich versucht zu fördern, was da ist, damit es gut heranwachsen und gedeihen kann.“

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Von Ein-,  An- und Aussichten

Was betrachten Sie nach 12 Jahren als Präsidentin des kantonalen Seelsorgerates im Rückblick kritisch?

„Nachdenklich gemacht hat mich wie viel Kraft innerkirchliche Konflikte verschleissen und damit Zeit für Wesentliches verloren geht. Innerkirchliche Querelen oder Etikettierungen haben mich nie interessiert: Es müssen alle Platz haben, von links bis rechts. Generell wird in der Kirche zu viel über den anderen geschimpft. Das ist schade.“

Wo steht die Kirche 2026, also in zehn Jahren?

Ich gehe davon aus, dass sich der Schwund der Gläubigen fortsetzen wird, es wird mehr Austritte und weniger Taufen geben. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es auch wieder in die andere Richtung kippt und gerade die junge Generation eine bekennende Kirche sucht.

Welches Anliegen möchten Sie den Pfarreien besonders mitgeben?

„Öffnet Türen und Fenster! Es tut mir weh, wenn ich an eine Pfarrhaustüre komme, an der steht: „Das Pfarrhaus kann von 9 – 11 Uhr betreten werden.“ Das schreckt doch ab. An eine solche Tür gehe ich kein zweites Mal, um mich mit einem Anliegen zu melden. Wichtig ist doch die Begegnung mit Menschen. Darum ist es wichtig, dass gerade im Pfarrhaus jemand ansprechbar und anwesend ist.“

Gibt es etwas, das Sie an der Kirche besonders freut und ermutigt?

„Ich finde es schön, dass sich die Kirche im diakonischen Bereich wieder mutiger zum Fenster hinauslehnt, auch wenn sie damit aneckt. Diakonie muss einfach sein, das ist das tätige Handeln des Glaubens. Wir müssen nicht erst für alles Strukturen und eine Organisation aufbauen, sondern mutig und christlich handeln, sonst sind die anderen längst gestorben. Wir müssen zu den Menschen hingehen.“

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Mit Präsidentin Albertina Kaufmann verabschiedeten sich auch Josef Hollenstein, Georg Klingenfuss, Ruth Mathis, Norbert Moser, Christian Murer, Margrit Sieber, Bernd Siemes, Elsbeth Stöckli, Laszlo Vaszary, Oliver Wupper-Schweers und Margrit Heer.

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