„Wort zum Sonntag“: Volltreffer und Service public

Volltreffer in mehrfacher Hinsicht: Zwei Beanstandungen beim SRF-Ombudsmann, viele positive Echos und ein weit herum beachtetes Zitat vom Sonntag als seit 3000 Jahren bewährte Burnoutprophylaxe. Warum das „Wort zum Sonntag“ im Programm von SRF eine wichtige Plattform ist.

Mehr als ein Dutzend Mal habe ich seit Oktober 2016 im „Wort zum Sonntag“ knappe 3 ½ Minuten lang einen persönlichen Kommentar aus christlicher Sicht abgegeben. Die Themen fokussierten wie im Sendungsportrait von SRF vorgesehen auf „religiöse, spirituelle und ethische Fragen des Individuums und der Gesellschaft der Gegenwart“.

Kommentare zu Politik und Wirtschaft sind heisse Eisen

Was auffällt: Sobald sich der Kommentar einer Frage mit politischer oder wirtschaftlicher Tragweite widmet, schnellen die Rückmeldungen blitzartig in die Höhe und die Tonalität wird rauer. Erste längere Mails sind bei mir bereits wenige Minuten nach Ausstrahlen der Sendung eingetroffen. Offensichtlich gibt es Reizworte oder Themen, die als heisse Eisen wahrgenommen werden, wenn sich eine kirchliche Stimme dazu äussert – und die zu umgehendem Widerspruch provozieren.

Ein solches heisses Eisen war auch das Thema „Sonntagsruhe“. Der parallel dazu gepostete Blogbeitrag „Salamitaktik säbelt Sonntagsruhe ab“ dümpelte unkommentiert vor sich hin, hingegen trafen bei SRF gleich zwei Beanstandungen zum „Wort zum Sonntag“ ein. Ombudsmann Roger Blum veröffentlichte letzte Woche seine Antworten, in denen er keine der Beanstandungen unterstützen konnte. Er wies den Vorwurf politischer Agitation zurück und schützte die Meinungsfreiheit. Die sorgfältigen und vertieften Abklärungen bis hin zur detaillierten Antwort sind ein Beispiel für besten Service public von SRF.

Der Sonntag als 3000 Jahre alte Burnoutprophylaxe

Dass pointierte Äusserungen im „Wort zum Sonntag“ weite Kreise ziehen, zeigte folgender Gedanke:

„Es ist eine uralte Errungenschaft, die sich als tiefe Weisheit auch in der Bibel niedergeschlagen hat: Einen Tag in der Woche soll alles ruhen. Die ganze Schöpfung. Der Mensch. Die Sklaven. Die Tiere, jeder Esel. So klingt 3000 Jahre alte Burnoutprophylaxe!“

In den Tagen nach der Ausstrahlung wurde der Gedanke des Sonntags als 3000 Jahre alte Burnoutprophylaxe verschiedenerorts auch im Ausland als „Zitat der Woche“ (oder ähnlich bezeichnet) aufgenommen und damit ein Beitrag zur Diskussion um den Schutz der Sonntagsruhe geleistet.

Wertvolle Plattform für kirchliche Stimmen

Die einen mögen das Format „Wort zum Sonntag“ belächeln, andere nutzen die paar Minuten zwischen Meteo und Beginn der Abendunterhaltung zum Bereitstellen von Bier und Chips. Und dann sind da viele Zuschauerinnen und Zuschauer, welche bewusst oder zufällig den Kommentar zur Kenntnis nehmen. Die Gedanken regen die einen an, die anderen auf. Im Nachgang zu jeder Ausstrahlung trifft eine handvoll Rückmeldungen bei mir ein, zustimmend, kritisch oder ablehnend, halten sich in etwa die Waage.

Was immer wieder deutlich zum Ausdruck kommt: Das „Wort zum Sonntag“ ist eine wertvolle Plattform, damit auch eine kirchliche Stimme sich in der breiten Öffentlichkeit zu Wort melden kann. Dies ist bester Service public, der sorgfältig dazu beiträgt, mit einem Perspektivenwechsel zu ergänzen und zu bereichern.

Je heisser das Eisen, desto mehr Rückmeldungen

Überdurchschnittlich viele persönliche Reaktionen aus der Schweiz aber auch aus Deutschland, per Mail, handgeschriebenem Brief, Telefonanruf und selbst auf offener Strasse, bestätigen mir, dass das „Wort zum Sonntag“  als ernsthafte kirchliche Stimme meinungsbildend wahrgenommen wird – speziell dann, wenn zu heissen Eisen profiliert Stellung aus christlicher Sicht bezogen wird. Gerade Themen wie Sonntagsruhe oder Selfscanning an den Supermarkt-Kassen (das letzte „Wort zum Sonntag“ von Nadja Eigenmann,  zu dem  2014 beim Ombudmann eine Beschwerde eingereicht wurde) bewegen die Menschen an der Basis  – und sie wissen es zu schätzen, wenn eine kirchliche Stimme  ausgewogen, aber deutlich Stellung bezieht.  Samstagabend  mit dem „Wort zum Sonntag“ ein paar Minuten Nachdenken entspricht in der heutigen hektischen Zeit offensichtlich einem Bedürfnis.

Respekt vor der anderen Meinung

Egal, ob zustimmende, kritische oder auch erboste Rückmeldung: Es ist für mich Ehrensache, jedes Echo zu beantworten. Erfahrungsgemäss entspannt sich ein kurzer und freundlicher Gedankenaustausch in Ergänzung zur Sendung. Im besten Fall kommt es auch zur Klärung von Missverständnissen. Und wenn minimal der Respekt übrigbleibt, dass auch eine diametral entgegengesetzte Meinung eine Existenzberechtigung hat, ist der Dialog auch erfolgreich zustande gekommen.

Dass übrigens auch innerhalb der katholischen Kirche die Meinungen diametral auseinandergehen können, zeigt ein Interview mit dem Churer Generalvikar Martin Grichting. Er findet, gerade für den Sonntagsverkauf vom 24. Dezember hätten die Bischöfe etwas grosszügiger sein dürfen. Dies im offenen Widerspruch zur Schweizer Bischofskonferenz, die sich  mit einem Communiqué gegen einen Sonntagsverkauf an diesem Tag eingesetzt hatte.

Das „Wort zum Sonntag“: Seit mehr als 60 Jahren auf Sendung

Im Juni 1954 ging das „Wort zum Sonntag“ erstmals auf Sendung und ist damit eines der ältesten Gefässe des Schweizer Fernsehens. Zur besten Sendezeit am Samstagabend um 20 Uhr – nach Tagesschau und Meteo und vor der grossen Abendunterhaltung – haben Theologinnen und Theologen verschiedener Konfessionen die Möglichkeit, in knappen 3 ½ Minuten einen persönlichen Kommentar aus christlicher Sicht abzugeben. Die Themen drehen sich um „religiöse, spirituelle und ethische Fragen des Individuums und der Gesellschaft der Gegenwart“, wie das Sendungsportrait festhält. Inhaltlich frei, sind die Sprecherinnen und Sprecher jedoch den umfangreichen publizistischen Leitlinien von SRF verpflichtet.

 

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