«Wir können viel tun, auch mit kleinen Spenden.»

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten hat in der Nähe von Erbil, in Ozal City eine Schule gebaut, an der seit November letzten Jahres 800 Kinder und auch Erwachsene unterrichtet werden. Die Schule konnte gebaut werden, weil die Katholische Kirche im Kanton Zürich dafür Ende 2014 200 000 Franken bereitgestellt hatte. Der Jesuit Tony Calleja leitet von Beirut aus die Schule und die Angebote in Ozal City. Zwei Wochen im Monat ist er direkt vor Ort. 

Tony Calleja, seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Hilfsprojekten vor allem in Afrika und Südamerika tätig, war in Zürich auf Besuch und erzählte von der Schule in Ozal City. 

Klassenzimmer

Klassenzimmer

In Ozal City arbeiten wir mit Muslimen, Christen und Jasiden. Das ist sehr schwierig. Seit drei Jahren dort, habe ich festgestellt: Was vor allem zählt, ist die „Stammeszugehörigkeit“, wie ich es aus meiner Arbeit in Afrika kenne. Dann noch die Schiiten und Sunniten, die sich einfach nicht mögen. Unter dem Strich ist es so:

Wenn es Probleme gibt, dann fallen die Menschen zurück auf ihre Gemeinschaft. Dort erwartet sie Solidarität und Unterstützung.

Die christliche Präsenz im Mittleren Osten verschwindet seit dem Krieg. Besonders die jungen Leute gehen weg aus Angst, in die Armee eingezogen zu werden. Das prägt die Länder wie Irak, den Libanon oder Syrien. Im Irak zum Beispiel gab es vor dem Krieg 2003 zwei Millionen Christen, jetzt sind es noch 300 000.

Schule gibt 800 Kindern Hoffnung

Im September hatten wir fast 400 Kinder in der Grundschule, die Sekundarstufe besuchen 400 Schüler. Der Unterricht läuft in zwei Schichten ab: Die Mädchen gehen am Morgen in die Schule, die Jungs kommen am Nachmittag.

Der Schulhof zwischen den Container mit Klassenzimmern

Der Schulhof zwischen den Container mit Klassenzimmern

Ich möchte von Herzen danken: Eine Schule gibt 800 Kindern Hoffnung. Im Sommer kommen einige Kinder mehr, dann bieten wir eine extra Sommerschule an mit Ausflügen, was für die Flüchtlingskinder etwas ganz Besonderes ist. Im Sommer ist es 54 Grad heiss. Meist schlafen alle bis 12 Uhr, dann beginnt ein lebhaftes Miteinander bis spät in die Nacht hinein. Unsere Schule hat Air Condition, was sowohl die Kinder als auch die Lehrer glücklich macht. Wir achten darauf, dass die Kinder gut behandelt werden, kein Schreien, keine Schläge. Das ist nicht selbstverständlich im Nahen Osten.

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Wir bieten neu auch eine Kindergartenstufe an, die gut besucht und sehr beliebt ist. Die syrischen Frauen – viele sind Analphabetinnen – lernen dann Lesen und Schreiben, während ihr Kinder im Kindergarten sind.  So können sie später auch in der Schule helfen. Das macht sie alle sehr stolz.

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Kindergärtnerinnen vor einer Aufführung.

Chancen für Erwachsene im Flüchtlingscamp Ozal City

Für Erwachsene bieten wir das Fach «Life Skills» an, ausserdem Kurdisch, Englisch und Computerkurse. Haare Schneiden- und Make Up-Kurse sind sehr beliebt bei Frauen. Am Ende bekommen die Teilnehmenden dann eine kleine Erstausstattung mit Schere, Kamm und Umhang, so dass sie sich selbstständig machen können. Manche bekommen sogar eine kleine Anstellung in einem der Salons in der Stadt.

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Und es gibt eine Konditoreischule, die vor allem bei muslimischen Frauen beliebt ist. Für sie ist es eine Möglichkeit, das Haus zu verlassen. So etwas erlauben die Männer. Dann können sie unter sich sein, nehmen den Schleier ab und haben Abwechslung. Die Kinder sind während dieser Zeit betreut. Die Erzeugnisse der Konditorei können die Frauen dann verkaufen.

Es ist alles gut organisiert. Wir stellen hauptsächlich Flüchtlinge an. Wir bilden sie aus, sie bekommen ein Gehalt. Wir müssen oft bei Null anfangen. Die Menschen haben alles verloren, das Haus, das sie gebaut haben, ihre Arbeit. Sie kämpfen mit der Ungewissheit, was kommt. Wir haben Psychologen und Sozialarbeiter in den Schulen.

Und wir haben unsere Lehrer darauf trainiert, genau hinzuschauen.

Zum Beispiel gab es einen Jungen, der extrem aggressiv war. Man entdeckte Narben auf seinen Armen, die von brennenden Zigaretten stammten. Oder ein Mädchen, das in der Pause immer allein war, sie war traumatisiert und kam dann in Behandlung.

Ein harter Winter steht bevor

Mit der Regierung vor Ort ist es sehr schwierig. Wir mussten zwischen April und November 2015 einen Baustopp hinnehmen. Regierungsvertreter sagten uns immer, der Drucker sei kaputt, um die nötigen Papiere auszudrucken. Was sie wollten, war Geld. Darauf gehen wir aber aus Prinzip nicht ein. Als sie dies realisierten, haben sie eingelenkt.

Im Irak gibt es zum Glück genug Essen, nicht so im Libanon. Dort haben wir 3000 Kinder in einer Schule, denen wir auch Frühstück geben, weil sie hungrig nicht lernen können.

Die 8jährigen essen dann nur die Hälfte und nehmen den Rest mit nach Hause für ihre Geschwister. Dass schon kleine Kinder verzichten, obwohl sie hungrig sind!

Im Moment brauchen die Menschen Kleidung, Mützen, warme Jacken und gute Schuhe für den Winter. Es wird sehr kalt in der Region, mit viel Schnee. Wir können viel tun mit den Spenden, die von überallher kommen, egal wie klein oder gross diese sind. Davon bin ich überzeugt. Kleidung, Essen, Bildung – alles hilft.

Wer spenden möchte, kann dies via folgenden Konto:

Stiftung Jesuiten weltweit
Vermerk Schule Ozal

PostFinance 89-222200-9
IBAN CH51 0900 0000 8922 2200 9

Weitere Informationen hier.

Die Fotos aus Ozal City stammen vom Jesuiten Flüchtlingsdienst.

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