Nicht nur an einem Tag im Jahr!

Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember ist ein von den Vereinten Nationen ausgerufener Aktionstag. Er soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachhalten. Er soll den Einsatz für die Würde, Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern.

Dieser Tag wird in der Schweiz von Inclusion Handicap, AGILE.CH und Pro Infirmis koordiniert. Dieses Mal wurde das Thema „Angemessener Lebensstandard“ gewählt. Mit der Frage „Genug zum Überleben – aber auch genug zum Leben?“ möchten die Vereine auf Missstände aufmerksam machen und Denkanstösse vermitteln: Zudem stellen sie auch eine Reihe von Forderungen auf.

Wussten Sie eigentlich, dass Menschen mit Behinderungen meist auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind, da die normale IV-Rente kaum für zum Beispiel die Miete reicht?

Aufmerksam machen – jeden Tag!

Uns von der Behindertenseelsorge ist es wichtig, an diesem wie an allen anderen Tagen auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen.

Wir motivieren und begleiten Pfarreien dabei, Menschen mit Behinderung in den Fokus ihrer Wahrnehmung zu nehmen. Das kann  mit gezielt barrierefreien Veranstaltungen geschehen, mit einem Willkommensgruss, mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Begegnung.

Was bedeutet dieser Tag für Dich?

Ob der Tag selbst eine Bedeutung für Menschen mit Behinderung hat, dürfte so unterschiedlich sein, wie die Menschen nun mal sind. Das zeigt meine kleine, nicht repräsentative Umfrage unter Menschen mit Behinderungen.

2016-03-11-14-49-05So berichtet mir eine junge, blinde Frau:

„Der Tag der Menschen mit Behinderung ist für mich das gleiche, wie die Woche des Sehens oder der Tag der Blinden und Sehbehinderten. Ich denke dabei immer, dieser eine besondere Tag macht das Leben, das man sonst führt mit seinen Hindernissen, die zu überwinden sind, nicht besser oder schlechter. Deshalb ist so ein Tag für mich eigentlich wie jeder andere. Für mich ist das, wie wenn an Weihnachten oder um die Weihnachtszeit herum alle so freundlich sind, heissen Tee und Suppe an Obdachlose verteilen und überlaufen vor lauter Herzenswärme.

Danach interessiert sich niemand mehr für deren Probleme.

Ich weiss, so ein bestimmter Tag soll erinnern, aber Zeit zum Erinnern hat man auch sonst.“

In Marburg, einer offensichtlich barrierefreien und offenen Stadt für Blinde erlebt sie, was sie sich auch für Städte wie Zürich wünscht: „Man lebt einfach miteinander in der Stadt und fertig. Egal, wie man ist… Da braucht es auch keinen Tag der Menschen mit Behinderung mehr“.  Da sind wir gefühlt noch ein paar Lichtjahre entfernt.

Regula Eiberle mit Kindern in einer Pfarrei

Regula Eiberle mit Kindern in einer Pfarrei

Meine gehörlose Kollegin, Regula Eiberle, wünscht sich für diesen Tag einfach Wertschätzung für ihr Leben, die sie sonst gefühlt zu wenig bekommt.

Mariann F., die mit einer cerebralen Bewegungsstörung lebt, sieht diesen Tag als Gelegenheit, immer wieder zu betonen, dass wir Menschen mit und ohne Behinderung zusammen gehören und die Inklusion eine Vision ist, für die es sich einzusetzen lohnt.

Wir als Behindertenseelsorge setzen uns für die Inklusion ein, für eine Kirche mit allen.

Wer soll die Inklusion leben, wenn wir es nicht mal als christliche Gemeinschaft auf die Reihe kriegen?

So machen wir bis auf Weiteres also auch auf den Tag der Menschen mit Behinderung aufmerksam. Auch wenn wir fest davon überzeugt sind, dass jeder Tag der Menschen mit Behinderung sein sollte.

1-Sonja Helmer

Sonja Helmer Wallimann ist Inklusionbeauftragte der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Sie arbeitet bei der Behindertenseelsorge

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