Neue Kampagne für ProInfirmis: Alltag für alle

Nach zwei Jahren Pause lanciert Pro Infirmis eine neue und mutige Sensibilisierungskampagne mit dem Motto «Alle sind gleich. Niemand ist gleicher.»

https://www.youtube.com/watch?v=NXPZi6a_BdA

Der Ton von Sensibilisierungskampagnen ändert sich

Fünf Jahre ist es her, seit Pro Infirmis den berührenden Film Because who is perfect?  lanciert hat, der auf YouTube fast 25 Millionen Mal angeschaut worden ist. Damals wurden in den Schaufenstern von fünf Modegeschäften an der Zürcher Bahnhofstrasse Schaufensterpuppen massstabgetreu als dreidimensionale Abbilder von Menschen mit Behinderung ausgestellt.

Inzwischen hat sich der Ton von Sensibilisierungskampagnen geändert. Im neuen Film von Pro Infirmis sollen die Fähigkeiten, Leidenschaften und Träume von Menschen mit Behinderung hervorgehoben werden. Aus diesem Grund haben wir für Pro Infirmis mit den Klischees gebrochen und  für einmal auf den Lachmuskel und nicht auf die Tränendrüse gezielt. Bewusst heben wir nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten von Menschen mit und ohne Behinderung hervor.

Die kleinen Frustrationen des Alltags, die wir alle gemeinsam haben

Der neue Film ist ein Zusammenschnitt der nervigsten Dinge in unserer Tagesroutine. Ein Best-of der kleinen Frustrationen des Alltags. Momente, die wir alle kennen – ob wir nun eine Behinderung haben oder nicht. Die Protagonisten im Film kämpfen mit den Unzulänglichkeiten in der öffentlichen Toilette, zu schwachen Einkaufstüten, Hundekot auf dem Fussweg. Wer hat die rote Socke in der weissen Wäsche vergessen, die nun plötzlich pink gewaschen ist? Wenn ein Mann den Kampf gegen den Münzautomaten verliert, sind die kurzen Arme nur ein unwichtiges Detail. Und eine Frau mit nur einem Bein hat nun wirklich Pech mit ihrer Kleiderwahl, ob sie im Restaurant von ihrem Gegenüber bekleckert wird oder bei einer Gala einer Frau mit dem exakt gleichen Abendkleid gegenübersteht.

Armut und Schwierigkeiten im Arbeits- und Wohnungsmarkt

Die komischen Alltagsituationen sollen zum Weiterdenken anregen. Denn hinter diesen Gemeinsamkeiten können im Alltag von Menschen mit Behinderung Lebensumstände stecken, die weniger lustig sind. Wer eine Behinderung hat, ist beispielsweise überdurchschnittlich oft von Armut betroffen oder findet halb so oft eine Arbeitsstelle. Für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung gibt es einen sehr begrenzten Wohnungsmarkt,  die meisten kulturellen Angebote sind nicht auf Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten.

Positive Stimmung im ProInfirmis-Film und auf dem Filmset

Der 100 Sekunden lange Film wird in den digitalen und sozialen Medien und im Herbst in voller Länge im Kino eingesetzt. Er wurde von Regisseur Jon Barber umgesetzt, der bekannt ist für seine humorvolle Werbung. Innert drei Tagen wurden Vignetten mit 13 Protagonisten mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen gedreht. Praktisch alle Wunschkandidaten haben ohne zu zögern zugesagt.

Zum Making-of des Videos zu sehen.

Drehtage für Pro Infirmis sind immer etwas Spezielles. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass es den Schauspielern ernst ist, sich für ihr Anliegen einzusetzen. Trotzdem verlieren sie nie ganz ihre Lockerheit. Die Filmcrew ist äusserst rücksichtsvoll. Man nimmt sich genügend Zeit, die Szenen sorgfältig einzurichten. Zeitinseln werden eingebaut, falls etwas Unvorgesehenes passiert oder eine Darstellerin oder ein Darsteller – meist Laiendarsteller – Eingewöhnungszeit braucht. Bei Pro-Infirmis-Filmen ist immer auch der Weg das Ziel. Am Ende wollen alle einen guten Film mit einer starken Botschaft. Aber wie man dahin kommt, ist mindestens genau so wichtig.

Der Song «Jump down, spin around» stammt von Harry Belafonte und ist eine kleine Trouvaille aus dem Jahr 1957. Der 91-jährige Belafonte lebt in New York Harlem. Er hat den Song extra für dieses Projekt zur Verfügung gestellt.

Plakat zur Pro Infirmis Kampagne

 

Begleitend zum Film startet eine Plakat- und Anzeigenkampagne, ebenfalls mit Protagonisten aus dem Film.

 

 

 

Alexander Jaggy ist Geschäftsführer und Kreativdirektor der Kommunikationsagentur thjnk Zürich. Seit 7 Jahren betreut er die Kommunikationskampagnen von Pro Infirmis.

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