Film ab für Stars, Publikum und Kirchen

Was haben Bundespräsidentin Doris Leuthard, Schauspielerin Alicia Vikander, der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore und die Zürcher Kirchen gemeinsam? Ganz einfach: im Terminkalender steht dick markiert das Zurich Film Festival.

Filme berühren Menschen

Quaibrücke mit ZFF-Fahnen

Strassen und Gassen sind mit dem goldenen Auge dicht beflaggt. Aus dem Kino bekannte Schauspieler und Schauspielerinnen flanieren am See, und der grüne Teppich wird ausgerollt.

Die Stadt hat sich für das 13. Zurich Film Festival herausgeputzt. Das 136 Seiten starke Programmheft macht mir die Entscheidung schwer, welche Filme ich vom 28. September bis 8. Oktober besuchen will. Wer die enorme thematische Breite und Qualität der Filme wahrnimmt, versteht, warum im vergangenen Jahr am Zurich Film Festival fast hunderttausend Eintritte verzeichnet wurden und über fünfhundert Medienschaffende ihren Arbeitsplatz temporär nach Zürich verlegten.

Die Menschen lassen sich von den Filmen berühren. Offensichtlich erzählen sie Geschichten aus dem Leben, nehmen aktuelle Fragen auf und bringen eine Botschaft auf den Punkt. Darum sind wir als Kirche am Zurich Film Festival präsent – und zwar nicht nur als Zuschauer im Kinosaal, sondern mit dem ökumenischen Filmpreis der Zürcher Kirchen.

Doch dazu später mehr.


 

Rückblende ins Jahr 1992

Tilda Swintons Gesicht spiegelte Überraschung, Rührung, echte Freude. Sie spielte die Hauptrolle in Sally Potters ‚Orlando’ und hatte eben den katholischen Filmpreis als Auszeichnung bekommen. Der vatikanische Vertreter in unserer Jury war damals nicht unbedingt glücklich, stellte dieser Film doch die Eindeutigkeit des Geschlechts in Frage – und damit auch die traditionelle römisch-katholische Vorstellung von Mann und Frau. Für Tilda Swinton bedeutete diese Rolle den internationalen Durchbruch, ebenso für die Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter (heute mit der Tragigkomödie ‚The Party’ im Kino). Für uns als international zusammengesetzten Jury war es eine Herausforderung, mussten wir doch aus mehreren als meisterhaft beurteilen Wettbewerbsfilmen jenen herausgreifen, der auch eine Botschaft im Sinne der Auftraggeberin der Jury ausstrahlt, der damaligen kirchlichen Filmorganisation Organisation Catholique Internationale du Cinéma (OCIC). Das ist mittlerweile 25 Jahre her, das Thema ist aktueller denn je und beschäftigt uns als Gesellschaft.

Aktualität und Engagement

Als Kirche nehmen wir wahr, was die Menschen aktuell beschäftigt. An vielen Orten sind wir das ganze Jahr mit unserem Engagement präsent. Zu den Themen, die uns hier und jetzt beschäftigen, haben wir etwas zu sagen. Wir stellen uns auch der Diskussion um Sinn und Werte des auf der Leinwand Gezeigten.

Mit dem ökumenischen Filmpreis der Zürcher Kirchen sind wir mitten im Geschehen und halten als Jury nach Filmen Ausschau, welche sich an der christlichen Botschaft messen.

Umgekehrt lassen wir uns auch gern herausfordern und befragen das kirchliche Handeln und Predigen am Leben, wie es am Zurich Film Festival zum Ausdruck kommt.

Stars, Glamour und die Kirche – jawohl!

„Ist die Kirche inmitten von Stars und Glamour wirklich am richtigen Ort?“ fragen kritische Stimmen. Ja, selbstverständlich, entgegne ich. Gerade und erst recht am Zurich Film Festival.

Denn im Dialog mit Kultur, mit Wissenschaft und Politik können wir viel bewegen.

Mit unserem ökumenischen Filmpreis können wir zwar nur einen bescheidenen Beitrag leisten. Trotzdem haben Festivaldirektoren Nadja Schildknecht und Karl Spoerri uns herzlich willkommen geheissen. Sie wissen, dass der Film als relativ kostspieliges Medium auf Unterstützung angewiesen ist. Zusammen freuen wir uns jetzt auf denkwürdige und erfolgreiche filmische Entdeckungen und Ehrungen am Zurich Film Festival 2017 und ganz speziell natürlich auf die Verleihung des ökumenischen Filmpreises der Kirchen am 5. Oktober!

 

Zeno Cavigelli, Synodalrat, ist Teil der 5köpfigen Jury für den ökumensichen Filmpreis der Zürcher Kirchen.

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