Rollstuhl

Eine barrierefreie Kirche – geht das?

Was hat es mit diesen Barrieren eigentlich auf sich? Geht es um die Rampe für die Rollstuhlfahrerin oder versteckt sich noch mehr dahinter? Sehr verlockend ist es, sich auf das Sichtbare zu beschränken – architektonische Mängel, die immer noch häufig in den Pfarreien anzutreffen sind:

  • Da fehlt das Behinderten-WC,
  • dort die Rampe,
  • hier ein Behindertenparkplatz.
  • Die Höranlage für hörbehinderte Menschen sucht man oft vergeblich,
  • ebenso wie Liedblätter in Grossdruck, damit auch Menschen mit einer Sehbehinderung mitsingen können.
  • Noch seltener ist die Gebärdendolmetscherin, damit die gehörlosen Menschen Anteil am Geschehen nehmen können.

Ja, bereits hier hätten wir genug zu tun. Viele Pfarreien haben auch Geld und Zeit investiert und sind auf einem guten Weg.

 

So ist es zum Beispiel in der Katholischen Kirche St. Martin in Fluntern, Stadt Zürich. So berichtet Herr H., hörbehindert: „Im Gottesdienst habe ich die neue Höranlage erlebt und finde sie genial.“

Und oft hören wir dann von den Pfarreien, dass die baulichen Barrieren grösstenteils beseitigt wurden, aber gekommen ist kaum jemand.

Wie kann das sein, angesichts von 1,4 Mio. Menschen mit einer Behinderung in der Schweiz, wovon ca. 252.000 Menschen im Kanton Zürich leben?

Nicht angesprochen? Kein Interesse?

Fühlen sich Menschen mit einer Behinderung einfach nicht von der Kirche angesprochen oder interessieren sich nicht für Religion? Sind sie in ihren eigenen Gruppen so stark beheimatet, dass sie keine weitere „Heimat“ in einer Pfarrei suchen? Sicherlich können viele bejahen, dass sie keinen Bezug (mehr) zur Kirche haben, ebenso wie das für weite Teile der Bevölkerung im Allgemeinen gilt. Und wir kennen auch Menschen mit Behinderung, die sich nur in ihrer eigenen Gruppe wohlfühlen und den Kontakt zur Kirchgemeinde scheuen oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Genauso hören wir von Menschen mit einer Beeinträchtigung, dass sie sich interessieren und vielleicht sogar engagieren möchten. Aber viele fühlen sich (trotz baulicher Massnahmen) nicht recht wohl in ihrer Pfarrei. Es ist ein komisches Gefühl von nicht Willkommen sein.

So berichtet Frau G., mit einer Seh- und Hörbehinderung: „Immer wieder habe ich das Gefühl, nicht ins Konzept meiner Heimatpfarrei zu passen. Ich glaube, ich bin zu anstrengend für meine Kirchgemeinde.“

Zwischenmenschliche Barrieren

Und genau da wird es interessant genauer hinzuschauen.
Die zwischenmenschlichen Barrieren – die, die man nicht einfach „umbauen“ kann. Es bestehen oft Unsicherheiten im Umgang miteinander und Frustrationen, weil man sich wieder missverstanden hat. Oft ist gar nicht geklärt, was für Bedürfnisse und Wünsche auf beiden Seiten eigentlich bestehen. Ja, es kann anstrengend sein, kostet Zeit und Kraft sich auseinander zu setzen und zusammen zu setzen. Und doch lohnt es sich.

Fr. R. arbeitet als Pastoralassistentin in der Stadt Zürich und schildert folgende Erfahrung: „Der schönste Gottesdienst im Jahr ist für mich der mit der Behinderteneinrichtung vor Ort. Zum einen habe ich das Gefühl mich ganz so zeigen zu können wie ich bin, zum anderen ist die Feier fröhlich und lebendig wie selten.“

Wir wollen eine lebendige Kirche.

  • Eine Kirche, in die sich jeder mit seine Stärken und Eigenheiten einbringen kann, wenn er es denn möchte.
  • Eine Kirche, die sich interessiert für die Besonderheiten der Menschen.
  • Eine Kirche, die sich auf die Suche macht nach den Schätzen, die hinter den Barrieren oft verborgen liegen.

Menschen mit Behinderung haben etwas zum kirchlichen Leben beizutragen. Wenn Sie das glauben, werden sich manch andere Barrieren schnell abbauen.

Eine barrierefreie Kirche – geht das?

  • Ja! Und: immer wieder neu.
  • Ja! Und: Es braucht einen Entscheid ihrer Pfarrei: Uns ist das wichtig – wir wollen das.
  • Ja! Und: Es braucht Mut, immer wieder genau hinzuschauen, welche Barrieren im Wege stehen.

Ist in Ihnen etwas angeklungen? Sehen Sie Ihre Pfarrei vor sich und wollen sich auf den Weg machen? Dann melden Sie sich bei uns. Wir begleiten Sie auf Ihrem Weg zu einer offenen Kirche und wirken tatkräftig bei der Umsetzung ihrer Ideen mit.

Sonja Helmer-Wallimann, Projektverantwortliche Pfarreiarbeit

Tel. 044 360 51 47
sonja.helmer@behindertenseelsorge.ch
www.behindertenseelsorge.ch

 

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