Beno Kehl, Bienenvater der Randständigen


Bekannt wurde er als „Bruder Beno“, der früher auf dem Platzspitz Randständige betreute. Nach seiner Heirat und Austritt aus dem Franziskanerorden setzt er im „Haus Zueflucht“ seine Arbeit fort. Neu auch in einem Bienenhaus. Für sein Engagement wird er Ende November mit dem Jonas-Furrer-Preis 2018 ausgezeichnet.

In dieser Welt, wo vieles zum Himmel schreit, haben wir gelernt, dass wir hoffnungsvolle Inseln gestalten können. Sei es ein Wildbienenhaus auf dem Balkon, ein Stück (Bio-)Garten, der Raum gibt für alle Lebewesen, eine Insel wie das Haus Zueflucht, wo Menschen einen Platz finden, die nirgends willkommen sind. Oder wir schaffen einfach kleine Inseln der Freundschaft, wo jeder sein darf wie er jetzt gerade ist.

Mit meiner Familie besuchte ich vor kurzem einen Hof, auf dem Katzen, Esel, Rinder, Hunde, Enten und viel weiteres Getier einen Platz bekommen, wenn sie niemand mehr haben will. Aus dieser Erfahrung entstand die Vision vom Haus Zueflucht auf dem Land, das Raum schafft für Pflanzen, Tiere und Menschen, die eben sonst kaum einen würdigen Platz finden. Vielleicht kennt jemand einen Hof oder einen Bauern, der für ein solches Projekt geeignet ist. Manchmal kommt ja eine unerwartete Möglichkeit und doch braucht sie uns, dass wir unsern kleinen oder grossen Beitrag leisten, das eben neue Inseln der Hoffnung entstehen. Ich vertraue da nach wie vor auf die grosse Liebe (viele nennen sie Gott), die hinter allem und auch durch dich und mich immer wieder wirken kann.

Glückliche Neuimker: (v.l.) Stephy, Beno, Baba und Andreasch, vorne Murat – alle Bewohner und Gäste im Haus Zueflucht (Foto zVg)

Wir können auf eine tolle Geschichte des Projektes Randständige für Bienen, Bienen für Randständige zurückschauen. Menschen, die im Haus Zueflucht des Vereins Franziskanische Gassenarbeit ein- und ausgehen, schaffen es meistens nicht, im „normalen“ Arbeitsalltag mitzuhalten. Wir bilden sie zu Hilfsimkern aus. So können sie einen kaum bezahlbaren Wert an die Gesellschaft zurück geben.

Bienen brauchen mehr denn je Betreuung, da sie u.a. von den Varroa-Parasiten befallen sind. Ebenso ist ein Teil unserer Klientel von „Sucht-Parasiten“ befallen. Der realistische Umgang mit diesen Problemen ergibt ungeahnte Chancen für alle.

Etlichen Randständigen konnten wir eine Imkerausbilung ermöglichen und wir betreuen im Moment ca 40- 50 Bienenvölker. Trotz vieler Schwierigkeiten mit Bienen und Lebensgeschichten konnten wir immer neue Chancen ermöglichen. So haben wir inzwischen ein wunderschönes Bienenhaus, welches noch viel mehr als nur ein Bienenhaus ist. In der Bibel heisst es, wir sollen Schwerter zu Pflugscharen machen. Wir konnten nun einen ehemaligen Schiessstand zu einem Bienenhaus umbauen.

die Jungimker bei der Arbeit (Foto zVg))

Das Hobby oder die Arbeit mit den Bienen ermöglichen nicht nur unseren Bewohnern sinnvolle Aufgaben, sondern indirekt hängen wir mehr mit den Bienen zusammen als uns lieb ist. Albert Einstein soll gesagt haben, wenn die Bienen aussterben, werden die Menschen nur noch vier Jahre auf der Erde sein. Wir hatten erhebliche Verluste durch das Bienensterben, aber mit viel Fleiss haben wir sehr viele Jungvölker gezüchtet. Hoffen wir, dass wir sie gut durch den Winter ins nächste Jahr bringen. Letztlich geht es darum kleine Inseln der Hoffnung zu schaffen.

In diesem Zusammenhang freut es mich riesig, dass ich wegen meines Engagements für diese Aufgabe für den Jonas Furrer Preis 2018 ausgewählt wurde. Am Samstag 24. November wird auf dem Lindenhof Zürich, im Haus der Freimaurer, Veranstaltungsbeginn 17.30 h, die Preisübergabe an mich stattfinden. Beim Preis handelt es sich um CHF 20‘000.-, welcher natürlich den Projekten der Gassenarbeit; dem Haus Zueflucht und allem, was die Fraga hier in Zürich unterstützt, direkt zugute kommt. Die Gastgeber und auch ich, würden uns sehr freuen, viele Besucher zu dieser Preisverleihung willkommen zu heissen; es ist eine Freude für mich, mit euch zusammen den Preis entgegen zu nehmen! 

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