Kind auf einer Schaukel

Miteinander von Anfang an…

… statt 7 Jahre schweben im luftleeren Raum. Woran liegt es, dass die religiöse Begleitung vielerorts erst mit dem Schuleintritt beginnt? Lässt die Kirche junge Eltern nach dem Taufversprechen hängen? Überlassen die Eltern lieber den „Profis“ die religiöse Erziehung ihrer Kinder?

Religiöse Bildung

Religiöse Bildung findet an verschiedenen Erfahrungsorten statt. Kleinkinder sind dabei häufig auf Erwachsene angewiesen, welche ihnen die Beziehung und die Begegnung mit dem Glauben anbieten. Die heutige Familienpastoral („die Familienseelsorge“) darf deshalb nicht nur auf den Religionsunterricht und auf die Sakramentenkatechese (Erstkommunion …) der Kinder reduziert werden. Es braucht eine Katechese, welche den Kindern bereits im Vorschulalter religiöse und spirituelle Zugänge eröffnet.

„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben!“ Früher haben Eltern damit die wirtschaftlichen Verhältnisse gemeint. Heute höre ich da und dort eine ähnliche Aussage. Verhalten zwar, aber doch gut hörbar. Dabei geht es ihnen nicht um die finanzielle Zukunft ihrer Sprösslinge, sondern um die religiösen Werte.

Die meisten jungen Eltern von heute haben keine oder wenig religiöse Vorerfahrungen. Sie sind ebenfalls nicht „kirchengeschädigt“.

Das erklärt vielleicht auch, weshalb sie ihre Kinder taufen lassen.

Berührt vom Geheimnis des Lebens

Meine eigene Religiosität entdeckte ich während der Schwangerschaft und mit der Geburt meiner beiden Kinder wieder. Tief berührt von diesem Geheimnis des Lebens war es mir wichtig, dass meine Kinder in einem vertrauensvollen Glauben zu Gott aufwachsen.

Auch heute suchen viele Eltern nach einer Unterstützung, um ihr Kind religiös, stärkend und vertrauend zu begleiten. Häufig trauen sie sich selber diese Aufgabe aber nicht zu. Ihre eigene religiöse Sprachlosigkeit, Unsicherheit und vor allem auch die Sorge, dabei etwas falsch zu machen, lässt sie nach Unterstützung suchen.

Wo können sie finden, was sie sich selber nicht zutrauen?

Religiös im luftleeren Raum

Als ich mich vor über 20 Jahren zur Katechetin ausbilden liess, war in den religionspädagogischen Fachkreisen immer wieder die Rede von der „Weitergabe des Glaubens“. Doch weitergeben kann man nur, was man selber empfangen hat. Dies zeigte auch das Ergebnis der damaligen repräsentativen Umfrage des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institutes (1980): „Wie sollen oder können sie (die Eltern) … dem Kind eine Heimat im Glauben vermitteln, wo sie sich doch selber religiös im luftleeren Raum befinden? Die Luft ist raus, doch die Kinder wollen atmen …!“ Die Befragten von damals sind die Eltern der heutigen Mütter und Väter. Und so ist es nicht verwunderlich, dass heutige Eltern in religiöser Hinsicht oft genauso am Anfang stehen wie ihre Kinder.

Mit den Kindern, statt für die Kinder

Die Familienpastoral möchte jungen Eltern, die offen und suchend auf dem Weg sind, konkrete Hilfe anbieten. Sie ermutigt Mütter und Väter die religiöse Begleitung nicht einfach nur den „Profis“ zu überlassen.

Miteinander gehen ist heute angesagt. Seelsorger mit den Eltern, Eltern mit ihren Kindern. Zusammen etwas erleben, entdecken und einüben ist für alle spannend und bereichernd. Die Familie ist auch heute noch einer der bedeutendsten Beziehungsorte für das Kind im Vorschulalter.

Das Familienleben bietet und beinhaltet viele Räume, in denen die Berührung mit Religion geschieht und das Kind auf natürliche Weise Gott erfahren kann: gemeinsames Essen, Versöhnen, Abendrituale usw.

Angebote: Ideenordner und Materialkoffer

Das Projekt der Fachstelle für Religionspädagogik „Miteinander Religion leben – von Anfang an“ bietet erwachsenen Bezugspersonen – Eltern und katechetisch Tätigen – praktische Anregungen, Hilfsmittel und Unterlagen an, damit solches Lehren und Lernen miteinander geschehen kann. Mit unserem Ideenordner und Materialkoffer unterstützen und animieren wir katechetisch Tätige, gemeinsam mit den jungen Eltern und ihren Kindern den Glauben neu zu entdecken, zu erspüren und zu erleben. Diese Unterlagen sind ab Februar 2016 auf der Projektseite der Fachstelle für Religionspädagogik erhältlich.

Eine Schweizer Premiere: „Katechese für Kleinkinder und ihre Familien“ (Modul 05)

Anfangs September 2015 bietet die Fachstelle für Religionspädagogik erstmalig in der Schweiz das Modul 05 „Katechese für Kleinkinder und ihre Familien“ an. Katechetisch Tätige in Pfarrei, Schule oder KITA lernen und ergänzen ihre Kompetenzen, Projekte in der familienpastoralen Arbeit mit Kleinkindern und ihren Familien zu planen und durchzuführen. Zur Ausschreibung.

Foto von Gertrud Schuster

 

Gertrud Schuster ist Ausbildnerin an der Fachstelle für Religionspädagogik Zürich und leitet das Projekt Vorschulkatechese.

gertrud.schuster@zh.kath.ch

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