Abenteuer Firmweg

Echte Verantwortung und klares Konzept: Beides braucht es, um Jugendliche zur freiwilligen Mitarbeit für den Firmweg zu gewinnen. Michael Zingg von der Jugendseelsorge weiss mehr dazu.

Bei der Jugendseelsorge Zürich arbeite ich zurzeit an einem neuen Firmkonzept. Aktuell wird dieses Konzept in Niederhasli, Kloten, Adliswil und Hinwil umgesetzt, reflektiert, weiterentwickelt und verbessert. Die Firmbegleiterinnen und -begleiter aus Niederhasli, inzwischen bereits im dritten Jahr unterwegs, haben für ihr Engagement diesen Sommer den 1. Platz beim Wettbewerb „Freiwilligenarbeit sichtbar“ gewonnen.

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Die Firmbegleiter von Niederhasli bei der Preisverleihung

Zwei Voraussetzungen

Um dieses Konzepts erfolgreich umsetzen zu können, müssen zwei Grundvoraussetzungen erfüllt werden.

  1. Freiwillige Firmbegleiter (-innen) können partizipativ mitarbeiten, planen, auswerten und neue Ideen einbringen. Sie müssen selbständig Firmgruppentreffen leiten und Verantwortung übernehmen können. Die Aufgabe der Verantwortlichen für die Firmung ändert sich dadurch. Sie sind präsent und unterstützen die Firmbegleiter(-innen). Sie bilden sie aus und befähigen sie damit, die Firmgruppentreffen zu leiten. Sie sind verantwortlich für den Inhalt und dafür, dass die Feedbacks und Ideen der Firmbegleitenden bei der Weiterentwicklung einfliessen und umgesetzt werden.
    So eröffnet sich ein neues pastorales Feld. Dieses macht unglaublich viel Spass und bringt berufliche Zufriedenheit und Freude mit sich.
  1. Die Pfarrei hält sich an den Konzeptrahmen. Dieser bringt einige Neuerungen mit sich. Diese orientieren sich an sieben Phasen, wie wir sie beinahe täglich durchleben. Um diese Phasen verständlicher zu machen, möchte ich sie einem Vergleich unterziehen.

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Alles beginnt mit Be-Rufung!

Die meisten Pfarreien beginnen ihren Firmweg mit einem „Ruf“. In der Regel ist dies ein Brief oder ein Artikel, der die jungen Erwachsenen zu einer Informationsveranstaltung einlädt. Dieser Ruf soll das Interesse am Firmweg wecken. Ähnlich läuft dies auch bei der Berufswahl der Jugendlichen ab. Etwas weckt das Interesse an einem bestimmten Beruf. Er wird sich darüber informieren, googelt, geht an Informationsveranstaltungen oder zum Berufsberater. Wenn genügend Informationen gesammelt sind, entscheidet er sich in der Regel für eine Schnupperlehre. Hier kommt die erste Neuerung dieses Konzepts. Nach dem Informationsabend meldet sich der Jugendliche nicht für den Firmweg, sondern nur für den Startanlass an. Wir empfehlen den Pfarreien, ein Weekend mit zwei Übernachtungen zu organisieren. In diesem Weekend bekommt der Jugendliche die Möglichkeit, die anderen TeilnehmerInnen kennen zu lernen und sich ein erstes Mal mit der Thematik und dem Sinn der Firmung auseinander zu setzen. In diesem Weekend werden die Regeln für den Firmweg festgelegt. Wenn ein Jugendlicher mit allen Regeln einverstanden ist und er sich auf den Firmweg einlassen will, wird er in einem Aufnahmeritual einer Firmgruppe zugeteilt.

Klare Regeln helfen

Grundsätzlich legt jede Pfarrei ihre Regeln selber fest. Lediglich eine Regel wird vom Konzept vorgegeben:

„Wer sich für den Firmweg entscheidet, verpflichtet sich für den ganzen Weg“.

Auch das können wir mit der Berufslehre vergleichen. Im Lehrvertrag verpflichtet der Lehrling sich für eine Lehrzeit von drei bis vier Jahre. Warum diese Regel? Sie kommt aus einer persönlichen Erfahrung. Ich entschied mich damals für eine Lehre als Zimmermann. Ich freute mich sehr auf die Lehrzeit. In meiner Vorstellung richtete ich vor allem Scheunen auf. Bereits in den ersten Lehrwochen holte mich die knallharte Realität ein. „Stift, hol mir noch den Hammer!“ „Stift, beginn mit dem Putzen des hinteren Zimmers!“ „Stift, siehst du die Paletten mit den 40er Spanplatten? Die müssen bis am Mittag im 4. Stock sein!“ „Stift, isoliere den Estrich!“ Wer weiss, wie Glaswolle am ganzen Körper juckt, kann nachvollziehen, warum diese Arbeit für mich ein Albtraum war. Ich durfte grösstenteils Arbeiten ausführen, für die meine Arbeitskollegen keine Lust hatten. Ich fiel in ein Loch und kam ins Grübeln, ob ich mich für die richtige Lehre entschieden habe. Mein Vater motivierte mich immer wieder aufs Neue.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ war sein liebster Spruch.

Bereits im zweiten Lehrjahr wurde mir mehr zugetraut. Und als ich mit 18 die Autoprüfung bestanden habe, schickte man mich alleine auf die Baustellen. Ich lernte dadurch sehr viel und bekam wieder richtig Spass an meinem Beruf.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre!

Auf einem Firmweg können dieselben Erfahrungen gemacht werden. Man setzt sich mit Themen auseinander, welche unter Umständen negative Gefühle auslösen oder eine Ablehnung provozieren. Auf dem Firmweg kann man Menschen begegnen, die nicht auf Anhieb sympathisch sind. Alles Gründe, die zum Entschluss eines frühzeitigen Abbruchs führen können. Was aber, wenn ein Treffen zu einem späteren Zeitpunkt neue Erkenntnisse und Ansichten bringt? Was, wenn mit der Zeit, durch die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen, die Gemeinschaft zusammen wächst und neue Freundschaften entstehen?

Ich bin überzeugt: Für eine mündige Entscheidung für oder gegen die Firmung muss der ganze Firmweg besucht werden.

Natürlich kann es zu einem Abbruch kommen. Aber dieser wird in diesem Konzept nicht einfach hingenommen, sondern reflektiert, wie bei der Auflösung eines Lehrvertrages.

Firmung: Verantwortung übernehmen und Glauben vertiefen

Das Fest der Firmung kommt der bestandenen Lehrabschlussprüfung gleich. Es soll in positiver Erinnerung bleiben und motivieren, als Christ oder Christin durchs Leben zu gehen – selbständig und mit Eigenverantwortung. Viele Firmkonzepte enden mit der Firmung. Unser Konzept geht einen Schritt weiter. Es soll den Gefirmten die Möglichkeit bieten, Verantwortung zu übernehmen und ihren Glauben weiter zu vertiefen. Nach einer gewissen Zeit nach der Firmung folgt ein neuer Ruf. Eine Einladung zu einem Informationsabend. Dieser soll alle Möglichkeiten, die sich den jungen Erwachsenen bieten, präsentieren. Ich denke da vor allem an die Aufgabe als Firmbegleiter(-in). Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten in denen junge Erwachsene mitarbeiten können: Projekte in der Jugendarbeit, Jugendgottesdienste, als Lektoren(-innen) oder auch der Quereinstieg ins Team von Pfadi/Jungwacht/Blauring etc. Sie werden staunen, wie viele Jugendliche sich so finden lassen. In den ersten zwei, drei Jahren vielleicht noch etwas zaghaft. Irgendwann wird es aber zur Normalität, sich nach der Firmung für eine gewisse Zeit „zur Verfügung zu stellen“. Damit das gelingt, muss der Firmweg entsprechend interessant gestaltet werden. Dies hier auszuführen sprengt jedoch den Rahmen. Ich bin gerne bereit, in Ihre Pfarrei zu kommen um dieses Konzept und die Arbeitsmethoden persönlich vorzustellen. Über eine Einladung würde ich mich sehr freuen!

Michael Zingg Jugendseelsorge

Michael Zingg von der Jugendseelsorge Zürich berät zu Firmung und Jugendarbeit. michael.zingg@jugendseelsorge.ch

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