Reformation und Bruder Klaus gereimt gepredigt

Eine Predigt in Reimen? Zum Thema Reformation und Bruder Klaus? Geht doch! Thomas Hartmann ist Pfarreibeauftragter in der Pfarrei Heilig-Chrüz Oberrieden und hält traditionellerweise zur Fasnachtszeit seine Predigt in gereimter Fom.

 

Liebe Schwestern, lieber Brüder,
gerne wage ich es wieder,
die Predigt soll gereimt erklingen,
der Ad-hoc-Chor frohe Lieder singen.

(die Gläubigen…)

Was ist gerade spannend und aktuell ?
Was beschäftigt „Kirchen-Köpfe“ – gell?
Es sind zwei Themen, die es in sich haben,
die sozusagen „Sprengstoff“ in sich tragen.

Zwei Jubiläen: Reformation und Bruder Klaus

Zwei grosse Jubiläen uns dies Jahr erfreuen,
wollen unseren Glauben gar erneue(r)n:
Zum einen ist es die Reformation
der 500. Jahrestag zu Luthers klarem Ton.
Das zweite, Sie ahnen es sicher schon:
der Schweizer Nationalheilige, Bruder Klaus,
reizt mich und fordert uns alle sehr heraus.

Die Reformation

Beginnen wir mit unserer Schwester-Kirche,
mit Luthers Reformation
seine heftige Kritik war damals schon
dringend nötig – denn die Pfarrer-Moral
war damals ein richtiger, echter Skandal.

Der Lebensstil des Klerus zu jener Zeit
war beschämend und so war es gescheit,
sich auf die Botschaft der Bibel zu besinnen
um so Menschen für Jesus zu gewinnen.

Viele Pfarrer lebten damals in „Saus und Braus“,
aus der Bibel wussten sie nichts Genau`s,
beschränkten sich auf`s „Beichte hören“,
für Sündenvergebung das muss empören –
verlangten sie von den Pönitenten viel Geld,
um deren Sünden zu schaffen aus der Welt.

Doch Vergebung ist gratis aus Gottes Hand,
alles andere ist Lug, Betrug und Schand.
Der Ablasshandel war ein Irrweg ganz klar,
denn für Sünden zu zahlen mit Geld in bar,
kann doch nicht sein der Wille von Gott
wer erfand nur solch `nen „Schrott“?

Luthers scharfer und klarer Ton,
verärgert die Kurie damals in Rom;
leider haben sie damals zu spät erkannt,
dass Reformen nötig von oberster Hand.
Luthers Thesen an seiner Kirchentür,
fassten zusammen – ja er stand dafür,
dass die Freiheit des Christen stehet ganz oben –
dafür ist Luther auch heut noch zu loben.

Bruder Klaus

Kommen wir nun zu Bruder Klaus,
dessen Rad hier in unserem Gotteshaus –
direkt vor dem Altar ganz in der Mitte
will es lenken und leiten unsere Schritte.

Zum 600. mal sein Geburtstag sich jährt,
dieses Jubiläum ist es wirklich wert –
sein Leben und Streben zu bedenken,
könnte sein Rat heute Politiker lenken?
Als Ratsherr in der grossen Politik
entlarvt er da so manchen Trick,
Parteilichkeit, Bestechung und Korruption –
ja, all das gab es damals schon.
Enttäuscht von Kollegen, korruptem Richter
Ungerechtigkeit prägte ihre Gesichter.
Ihre Geldgier war Klaus sehr zuwider,
er legt daher all seine Ämter nieder.

Mit 50 Jahren hatte er genug, er zog aus,
weg von seinem stattlichen Bauernhaus –
verliess mit 50 Jahren Frau und 10 Kinder,
Ende Oktober – ganz kurz vorm Winter.
Der Jüngste war gerade mal ein Jahr,
ich denk`, es ist uns allen klar,
welch ein schwieriger Entschluss –
das für alle gewesen sein muss.
Kann es wirklich sein – so fragen wir heute,
dass Gott ihn weggerufen hat, liebe Leute?

Tief unten im Ranft, dort in der Schlucht,
da trifft ihn Gottes Wort  mit voller Wucht,
er will sich ganz und gar mit Gott vereinen,
verlässt daher mit Schmerz die Seinen.

Sein Entscheid, die Familie zu verlassen,
um als Eremit zu wandeln auf den Strassen –
sein Weg bleibt für uns rätselhaft, gar fremd,
er verzichtet auf Macht und Ruhm, aufs letzte Hemd.

Eine Vision bei Liestal führt ihn zurück,
auf seine Alp – das ist sein Glück,
dort finden sie ihn – halb verwildert,
es war ihm peinlich – so wird es geschildert;
im Ranft unten bauen sie ihm einen hölzernen Kasten,
dort soll er künftig beten und fasten.

Der nahe Ranft wird nicht zum Versteck,
innerlich öffnet sich Klaus ganz keck,
er wird zum Berater in Friedensfragen,
kann so als Frommer politisch was sagen.
Viele Menschen kommen und bitten um Rat,
was Bruder Klaus auch oft und gerne tat,
es waren Freunde und Nachbarn, die kamen,
aber auch Menschen mit grossen Namen.
Viele Politiker spüren – Bruder Klaus kann`s,
uns allen bekannt das Verkommnis zu Stans.

Klaus, ein Heiliger – der sucht seinesgleichen,
vertieft sich in sein Rad mit den 6 Speichen,
von Gott kommt alles und kehrt alles zurück,
wer das erkennt, findet das wahre Glück.

Er hat Fans und Kritiker – damals wie heute,
er geht seinen Weg, den er nie bereute;
wer will nicht wie er solche Tiefe erreichen,
doch sein Leben stellt uns viele Fragezeichen.

Nicht zu vergessen seine Frau Dorothee,
die hat ja all sein „Ach und Weh“
mitgetragen und mit ihm gelitten,
vermutlich auch mit ihm gestritten.

Erst als sie endlich sprach ihr Ja-Wort,
durfte Klaus aufbrechen zum neuen Ort,
er konnte nicht ahnen, wo Gott ihn hinführt,
doch tief im Inneren hat er`s gespürt:

Mein Einssein mit Gott ist wirklich sein Wille,
dieser Ruf braucht Zeit und sehr viel Stille.

Denn er will nur noch Gottes Wort hören,
nichts Anderes darf ihn dabei stören.
Sein Lauschen und Beten gibt ihm die Kraft,
die für Probleme neue Sichtweisen schafft.

„Einander gehorsam sein“ – das ist der Hit,
den er allen auf den Weg gibt mit.
Anstatt zu kämpfen mit schweren Waffen,
will Klaus Recht und Frieden schaffen.

Das Jubiläums- Leitmotiv „Mehr Ranft“,
es weist uns alle hin ganz sanft,
auf einen neuen, ehrlichen Lebensstil,
von Klaus können wir alle lernen sehr viel.
Dieser wertvolle Impuls „Weniger ist Mehr“,
der macht Mut und freut mich sehr.
Denn was macht uns Menschen wirklich aus,
wir entdecken es an Bruder Klaus.

Natürlich frage ich Sie und auch mich,
was fasziniert und womit irritiert er mich ?
Tiefe, Begegnung und Bescheidenheit
sind die Werte, die er lebte, im Pilgerkleid.
Natürlich spreche ich jetzt die Frage aus:

Was verbindet Luther und Bruder Klaus?

Was verbindet denn Luther und Bruder Klaus?

Beide sind intensiv auf der Suche nach Gott,
wollen es wissen – und zwar ganz flott,
suchen im Gebet um Erkenntnis und im Stillen
wollen sie hören und dann tun seinen Willen!

Ihre grosse, innerste Sehnsucht nach Gott,
bringt sie in so manche Glaubensnot,
sie ringen und reden mit Herz und Hand,
und tun, was Gott ihnen abverlangt.

Bischofsnachfolge Chur

Aber: Es gibt 2017 noch einen weiteren Jubilar,
unser Bischof Vitus wird im April 75 Jahr;
er wird seinen Rücktritt einreichen in Rom,
muss bald ausziehen aus dem Churer Dom.

Doch wer wird sein Nachfolger – diese Frage
stellen sich viele Gläubige in höchster Rage.
Es soll wieder Ruhe einkehren im Bistum Chur,
doch welcher Mann ist als Bischof geeignet nur?

Wäre Alt-Abt Martin Werlen der geeignete Mann,
der unser Bistum klug führen kann?
Wir Gläubige können nur beten und hoffen,
dass in Rom wird der richtige Entscheid getroffen.

Ja – ihr wisst, es kommt jetzt der Moment,
die schönste Predigt geht mal zu End,
ich hoffe – ihr nehmt Mut und Hoffnung mit,
haltet euch wie Klaus mit Beten und Fasten fit.

Genug gereimt in Gottes Namen,
ich danke allen, die heut kamen,
den Kindern, den Herren und den Damen
ich mach`  Schluss und sag euch „Amen“.

 

Thomas Hartmann ist Pfarreibeauftragter
in der Pfarrei Heilig-Chrüz Oberrieden

 

 

 

 

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