Die Flüchtlings-Situation hat sich beruhigt?!

«Die Anzahl der Asylgesuche ist zurückgegangen. Die Situation hat sich beruhigt.» Dies sagte Ende Dezember letzten Jahres ein Politiker an einer Sitzung zur Situation von Flüchtlingen. Die Selbstverständlichkeit unseres Normalbetriebs scheint vermeintlich wieder hergestellt.

Seit die Tore zu Europa definitiv geschlossen sind, gelingt es viel weniger Flüchtlingen nach Europa zu gelangen. Aber an der Situation im Kriegsland Syrien und in anderen Krisengebieten hat sich nichts zum Besseren gewendet. Im Gegenteil, vielerorts sind die Bedingungen noch prekärer geworden.

Was kann ich für Flüchtlinge tun? Hilflosigkeit und Wut genügen nicht

Die mediale Präsenz hat nachgelassen und manchmal ertragen wir es auch fast nicht mehr: Die Bilder aus den Kriegsgebieten, die Bilder von Flüchtlingen aus den Hotspots Italien und Griechenland, die Ratlosigkeit der Politik. Angesichts der Bilder scheint sich bei uns auch mehr und mehr eine Übersättigung gepaart mit Hilflosigkeit einzustellen.

Bei mir persönlich kommen manchmal jedoch auch Gefühle von Wut auf.

Doch Hilflosigkeit und Wut genügen nicht. Und vor allem hilft es nicht weiter. Weder uns noch den geflüchteten Menschen, die in der Schweiz Schutz gesucht haben. Menschen, die jetzt in unserer Gemeinde, in unserem Quartier, in unserer Nachbarschaft leben.

Was kann ich also tun? Mit Flüchtlingen reden anstatt über Flüchtlinge reden.

Unter dem Motto «exex – exchange experience» diskutierten Flüchtlinge an einer Veranstaltung der Caritas Aarau über Erfahrungen der Integration und besprachen Möglichkeiten des verstärkten «Mitmachens» in unserer Gesellschaft. Drei Monate nach der Veranstaltung liegen die Ergebnisse vor. Flüchtlinge sagen uns:

«Es müssen beide Seiten aufeinander zugehen. Natürlich wäre es für uns leichter, wenn die Schweizer den ersten Schritt machen würden. Wir fühlen uns sehr verunsichert, und auch die Sprache fehlt. Wir machen schnell etwas falsch. Es wäre schön, wenn die Schweizer den ersten Schritt machen würden… aber eben: beide müssen aufeinander zugehen.»

Angst ist immer gegenseitig

Vielerorts bestehen Netzwerke, die Kontakte ermöglichen: Kontakte beim Kaffeetrinken, beim Velo flicken, bei Handarbeiten, beim Joggen oder Fussballspielen, beim gemeinsamen Kochen, bei gemeinsamen Ausflügen.

«Angst hat immer etwas mit uns und mit den anderen zu tun. Nicht nur Schweizer haben Angst. Auch wir haben Angst. Die Angst ist immer gegenseitig. Hier in der Schweiz haben wir keine Angst mehr ums Leben oder die Sicherheit. Hier haben wir Angst, was die anderen Menschen über uns denken.»

Willkommensnetz für Flüchtlinge

Auf www.willkommensnetz.ch finden alle Interessierten eine Übersicht der konfessionell neutralen Projekte, die in den Pfarreien und Kirchgemeinden im Kanton Zürich bestehen.

Gehen Sie vorbei! Lernen Sie ihre Nachbarn kennen! Es braucht nicht viel – aber es braucht Viele.

Priska Alldis_FOTO_Christoph Wider

Priska Alldis ist Leiterin der Fachstelle Flüchtlinge bei Caritas Zürich

Die Fachstelle unterstützt Pfarreien, Kirchgemeinden und Solidaritäts-Netzwerke, welche geflüchteten Menschen helfen Anschluss in der Schweiz zu finden.

 

 

 

 

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