Wem die Schweiz Heimat ist, soll einen Schweizer Pass tragen dürfen

Synodalrätin Franziska Driessen-Reding zur Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung für junge Ausländerinnen und Ausländer.

Schockiert über die bewusst verwirrende Plakatkampagne mit Burkaträgerinnen zur vereinfachten Einwanderung mache ich mir einmal mehr Gedanken, wo eine solche Panikmache hinführen soll. Da im Ressort Migrantenseelsorge solche Themen immer wieder angesprochen werden, will ich richtig informiert sein und nehme einen Faktencheck vor:

Fakt ist, dass wir am 12. Februar über die erleichterte Einbürgerung von jungen Menschen abstimmen, die in dritter Generation in unserem Land leben. Dritte Generation bedeutet, dass bereits die Grosseltern in der Schweiz gewohnt haben, dass die Eltern hier geboren wurden oder hier in die Schule gegangen sind und dass die 3. Generation hier geboren ist, unsere Schulen besucht hat, unsere Sprache spricht und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, genau wie junge Schweizerinnen und Schweizer auch.

Wer bei uns heimisch ist, soll einen roten Pass haben.

3.generation_d-f_gross.png.2017-01-13-15-32-41

Bei der erleichterten Einbürgerung wird nur das Verfahren vereinfacht. Automatisch wird auch in Zukunft niemand eingebürgert. Wie bei den ordentlichen Einbürgerungen müssen die jungen Ausländerinnen und Ausländer vor allem gut integriert sein.

Die Person muss eine Landessprache beherrschen, ihre finanziellen Verpflichtungen einhalten und die Steuern bezahlen. Wer Sozialhilfe bezieht, kommt nicht in den Genuss einer erleichterten Einbürgerung.

Ich sehe in unseren Missionen viele aktive Menschen mit einem Migrationshintergrund, auch solche, die bereits in zweiter oder dritter Generation hier leben und in der Katholischen Kirche im Kanton Zürich beheimatet sind.

Viele kennen sich in der Mission aus und beteiligen sich ebenso aktiv am Leben in der Ortspfarrei. Immer mehr engagierte Secondos oder Terzos sind oder waren Ministranten und sind bereit, in den Kirchenpflegen ein Amt zu übernehmen. So kann die Behörde auch künftig auf kompetente Nachfolger zählen.

Wenn nun diese jungen und gut integrierten Menschen die Einbürgerung erleichtert werden soll, sehe ich keine Gefahr für die Demokratie. Im Gegenteil! Ich sehe mit grosser Freude, dass diese jungen Menschen sich für ihre Heimat Schweiz engagieren wollen. Wenn wir genau ihnen die Chance geben, sich auch in die Politik einzubringen, können wir nur gewinnen.

Übrigens lese ich im Faktenblatt des Staatssekretariats für Migration SEM, dass in der Schweiz heute rund 24 650 junge Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation zwischen 9 und 25 Jahren leben, welche die Kriterien für eine erleichterte Einbürgerung gemäss der vom Parlament festgelegten Gesetzesbestimmung erfüllen.

Lassen wir uns von den völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Horrorzahlen und üblen Propagandaplakaten der Gegner nicht verblenden.

Ich sehe in diesen jungen Menschen nicht 24 650 Probleme für die Schweiz, sondern 24 650 Chancen.

Deshalb freue ich mich, wenn junge, engagierte Menschen in der ganzen Schweiz die Möglichkeit eines erleichterten Einbürgerungsverfahrens erhalten.

 

Franziska Driessen-Reding, Synodalrätin Ressort Migration

Franziska Driessen-Reding leitet im Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich das Ressort Migrantenseelsorge.

 

 

 

 

 

 

Artikel zum Thema: Bischof Lovey über erleicherte Einbürgerung (kath.ch)

 

Antworten