Menschen mit grossem Herz am Welt-Down-Syndrom-Tag

Am 21. März ist der Welt-Down-Syndrom-Tag.  Ein „normaler“ Tag? Oder doch ein ganz spezieller? Georges ist ein Mensch mit Down-Syndrom. Und er hat mich beeindruckt, deshalb widme ich ihm stellvertretend für alle anderen Betroffenen diesen Beitrag.

Welt-Down-Syndrom-Tag: normal oder speziell?

Lieber Georges
Im Film „Am achten Tag“ habe ich Sie gesehen. Sie sind ein Erwachsener mit Down-Syndrom. Am 21. März findet der Welt Down-Syndrom Tag statt. Wird dieser Tag für Sie ein spezieller Tag werden? Oder ein ganz gewöhnlicher? Brauchen Sie solche Tage als betroffene Person?
Auf der einen Seite finde ich den Welt Down-Syndrom Tag wichtig. Menschen mit Down-Syndrom und ihre Angehörige sind am 21. März zum Beispiel im Hauptbahnhof Zürich präsent – mit einem Informationsstand und einem knallroten Sofa und schreiben:

„Unser Ziel ist es, an die Vielfalt des menschlichen Lebens und Seins zu erinnern und aufzuzeigen, dass auch Menschen mit Down-Syndrom mitten im Leben stehen.“

Und sie freuen sich über viele Fotos auf dem roten Sofa. Aktionen wie im Hauptbahnhof bringen Menschen mit Behinderung in die Öffentlichkeit. Sie nehmen ihren Platz ein. Sie bringen ihre Anliegen an die Leute der Strasse.

Plakat Welt-Down-Syndrom-Tag 2017

Behinderung ist ein Teil des Lebens

Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass solche Tage Menschen mit Behinderung einen Stempel aufdrücken. Ihr seid und bleibt etwas Besonderes. Besondere Menschen werden herausgehoben. Sie sind anders als der Rest. Sie gehören eigentlich nicht dazu. Rebecca Maskos schreibt in ihrem Artikel „Superkrüppel, Trotzdem-Menschen und Helden“, wie Medien Menschen mit Behinderung sehen. Menschen mit Behinderung schaffen alles. Sie überwinden ihre Behinderung heldenhaft.

Rebecca Maskos sieht Menschen mit Behinderung anders. Sie schreibt:

  • Für viele Menschen ist die Behinderung ein Teil ihres Lebens
  • Menschen mit Behinderung wollen nicht bewundert oder glorifiziert werden.
  • Menschen mit Behinderung tun Dinge mit ihrer Behinderung.

Am achten Tag machte er Georges

Sie, lieber Georges, haben Ihre eigenen Gedanken.

Am ersten Tag machte Gott die Sonne, am zweiten das Wasser, am dritten das Gras, am vierten die Kühe, am fünften die Flugzeuge, am sechsten die Menschen und am siebten die Wolken. „Und so fragte er sich, ob nichts fehle. Am achten Tag machte er Georges. Und er sah, dass es gut war.“

Dieser Satz berührt mich sehr. Sie begründen Ihr Dasein nicht. Es ist einfach gut, dass Sie da sind. Ja, es ist gut, wie Sie da sind. Für uns, Christinnen und Christen, ist der achte Tag der Sonntag. Er ist der Tag der Auferstehung. Er ist der Tag des Lebens. So sind sie ein Mensch des Lebens, ein Sonntags-Mensch.

Der Welt fehlte ein Mensch mit grossem Herz

Mit unserem Team der Behindertenseelsorge gönnen wir uns einmal im Jahr einen Tag der Besinnung. Wir fahren an einen schönen Ort. Wir haben Zeit für uns. Wir hören Menschen zu. Im letzten Jahr waren zwei Frauen aus der Arche Ravensburg bei uns. Die Arche ist eine Lebensgemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung.

Die beiden Frauen fragten uns: „Was hat auf der Erde gefehlt, dass Gott Dich geschickt hat?“ Für die eine Frau mit Down-Syndrom war sofort klar: „Der Welt fehlte ein Mensch mit einem grossen Herz. Darum hat Gott mich geschickt.“

Georges aus dem Film „Am Achten Tag“. Screenshot

Lieber Georges,
ja, es ist gut, dass Sie da sind. Ja, es ist gut, dass viele Menschen mit einem grossen Herzen da sind. Ja, es ist gut, dass wir da sind, so wie wir sind. Die Welt ohne Sie, die Welt ohne uns wäre um einiges ärmer. Diese Zusagen gelten allen Menschen. Diese Zusagen gelten zu allen Zeiten, nicht nur am Welt Down-Syndrom Tag. Danke, Georges.

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