„Good news“ oder: Die hellen Seiten der Kirchen

Seitenweise „Good news“ über die Kirchen in den Tagesmedien wie NZZ, Landbote und etlichen anderen! 1,9 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit leisten die Kirchen auf Pfarrei- und Gemeindeebenen jährlich. 50 Millionen Franken Staatsbeiträgen vermehren die Kirchen zu einer Leistung, für die der Staat 65 Millionen berappen müsste. Was dieser Einsatz von unzähligen Freiwilligen, durch kantonale, nationale und internationale Institutionen an Hilfstätigkeiten konkret vor Ort und weltweit leistet, stellt tatsächlich eine der hellen Seiten der Kirchen dar.

Ich finde es schön, dass diese ab und zu medial beachtet und auch zum Tagesgespräch im Radio werden. Und ich gestehe offen: Es tut mir als Kirchenvertreter schlicht gut!

Wie oft wird in den Medien über die „dunklen Seiten“ besonders der katholischen Kirche berichtet – und dies meist  völlig zu Recht. Es gibt leider diese dunkeln Seiten. Aber eben: zum Glück auch die hellen, erfreulichen Seiten.

Pfingstliche Zeitungslektüre beim Morgenkaffee

Geradezu pfingstlich mutete mir vor einiger Zeit die Lektüre des Landboten an. ein ausführlicher Artikel widmete sich der Flüchtlingshilfe der christlichen Kirchen in Winterthur,  zunächst vor allem der katholischen Kirche.

Was war in Winterthur geschehen? Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 haben wir als katholische Kirche die Stadt Winterthur gebeten, uns zu signalisieren, wie wir am ehesten helfen können. „Nur keine Kleidersammlung!“ war die erste Reaktion, „aber wenn ihr bei der Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge behilflich sein könnt, wäre das eine grosse Unterstützung.“ So nahmen wir zur Kenntnis, dass es tatsächlich anerkannte Flüchtlinge gibt, die seit 15 Jahren in einer Asylunterkunft hängenbleiben. Nach hunderten von erfolglosen Wohnungsbewerbungen haben sie aufgegeben.

Der Glückstreffer: Eine Seelsorgerin im Pensionsalter

Es war damals wie ein Sechser im Lotto, dass genau zu diesem Zeitpunkt Zita Haselbach als langjährige Gemeindeleiterin von St. Ulrich-Rosenberg in Pension ging, was sie jedoch keineswegs als Ruhestand interpretierte. Sofort nahm sie sich des Anliegens an, traf erste Abklärungen und gründete beherzt den Verein „VIWO – Vinzenz für Wohnungen“. Sie baute ein Netz von Freiwilligen auf und ermöglichte durch Mund-zu-Mund-Propaganda, Flyer und kirchliche Publikationen Kontakte zu potenziellen Vermietern.

Bilanz? Andere kommen an Bord!

Wie sieht die Bilanz nach eineinhalb Jahren aus? Es sind 39 Wohnungen für 95 Personen vermittelt worden. 25 Freiwillige kümmern sich jeweils ein halbes Jahr lang um ein gutes Auskommen von Neumietern, Vermietern und Nachbarn. neben kirchlichen Beiträgen sind 24‘000 Franken an privaten Spenden sowie 28‘000 Franken an Darlehen beim Verein eingegangen: Daraus werden Kautionen, Einkäufe bei Genossenschaften und Mietzinsgarantien finanziert. Der reformierte Stadtverband ist dabei, mit einem namhaften Beitrag „ins Boot“ zu steigen.

Mühsamer Aufwand für Studie belohnt mit „Good news“

Solche Geschichten von Engagement vor Ort kommen mir in den Sinn, wenn ich wie in den letzten Tagen beim Frühstück die Zeitung aufschlage und „Good news“ über die Kirche lese – und dann bin ich froh, dass sich der grosse und mühsame Aufwand gelohnt hat, für die Studie „Kirchliche Tätigkeiten mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung im Kanton Zürich“ ein Jahr lang verschiedenste Leistungen im Alltag der Kirche erfasst und kategorisiert zu haben.

 

 

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